Unter dem in 13 verschiedenen Sprachen geschriebenen Motto
»Wir vereinigen uns« kamen am Wochenende in Ankara 800 Delegierte aus allen
Teilen der Türkei zur ersten Konferenz des neugebildeten »Kongresses der
Volksdemokratie« (HDK) zusammen. Zu der linken Sammlungsbewegung hatten
verschiedene Abgeordnete des aus prokurdischen und sozialistischen Parteien
gebildeten »Blocks für Arbeit, Demokratie und Freiheit« aufgerufen. Der aus
rund 20 Parteien und Organisationen gebildete Block hatte bei den
Parlamentswahlen im Juni 36 Direktmandate erobert, darunter neben Vertretern
der prokurdischen Partei für Frieden und Demokratie BDP auch drei für die
radikale Linke. Der inhaftierte Vorsitzende der Arbeiterpartei Kurdistans PKK,
Abdullah Öcalan, hatte nach der Wahl dazu aufgefordert, das Wahlbündnis zu
einer dauerhaften Allianz aus prokurdischen Organisationen und Sozialisten zu erweitern.
Vertreten waren auf der Konferenz neben Delegierten des kurdischen »Kongresses
für eine Demokratische Gesellschaft« DTK die »Partei der Arbeit« EMEP und die
»Partei der sozialistischen Demokratie« SDP, die türkischen Grünen, der
Gewerkschaftsdachverband des öffentlichen Dienstes KESK, der
Menschenrechtsverein IHD sowie zahlreiche Vertreter nationaler und religiöser
Minderheiten der Türkei wie Kurden, Roma, Araber, Aramäer, Eziden und Aleviten.
Der Kongreß müsse alle Unterdrückten vereinigen, forderte die BDP-Vorsitzende
Gültan Kisanak. Der ehemalige Studentenführer und Stadtguerillero und jetzige
Abgeordnete für Mersin, Ertugrul Kürkcü, warnte davor, nur Rechte für einzelne
nationale Minderheiten einzufordern oder Arbeiterrechte gegen demokratische
Rechte zu stellen. Es gelte, den Kampf für die Rechte des ganzen Volkes zu
führen. »Die Türken werden nicht frei sein können, bevor die Kurden frei sind«,
paraphrasierte er Karl Marx’ Erkenntnis, wonach ein Volk sich nicht selbst
emanzipieren könne, das ein anderes unterdrückt.
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