Das türkische Parlament hat am Donnerstag das Mandat für
grenzüberschreitende Militäroperationen gegen die Guerilla der Arbeiterpartei
Kurdistans (PKK) um ein Jahr verlängert. Nur die Fraktion der prokurdischen
Partei für Frieden und Demokratie (BDP) stimmte gegen die Resolution, auf deren
Grundlage die türkische Luftwaffe bereits seit Mitte August massive Angriffe
auf Ziele im kurdischen Nordirak fliegt. Auch eine Bodenoffensive ist offenbar
in Vorbereitung.
Die stellvertrende Vorsitzende der EU-Türkei-Parlamentskommission, Helene
Flautre, kritisierte unterdessen die Massenverhaftungen kurdischer Politiker.
»Der Zeitpunkt der Festnahmen ist ungünstig, denn er gefährdet den Versuch
eines politischen Dialogs, der mit der Rückkehr der BDP ins Parlament begonnen
hat«, so Flautre. Durch die Inhaftierungen würden diejenigen gestärkt, die in
der kurdischen Frage weiter auf Gewalt setzen.
Am Dienstag waren bei landesweiten Razzien 130 Funktionäre und Mitglieder der
BDP, darunter auch die Bürgermeisterin der Kleinstadt Derik, Caglar Demirel,
unter dem Vorwurf der PKK-Mitgliedschaft verhaftet worden. Weitere 120
BDP-Anhänger wurden festgenommen, nachdem die Polizei in der Stadt Mersin eine
Trauerfeier für einen getöteten Guerillakämpfer mit Pfefferspray
auseinandertrieb. Seit den Erfolgen der inzwischen verbotenen BDP-Vorgängerin
DTP bei den Kommunalwahlen im Frühjahr 2009 wurden zwischen 4000 und 5000
Parteimitglieder und Kommunalpolitiker, darunter 15 Bürgermeister, von den
türkischen Behörden inhaftiert. Die Verhaftungswelle greift inzwischen auch auf
die kemalistisch-säkulare oppositionelle CHP über. 19 ihrer Funktionäre in dem
von der Partei regierten Istanbuler Stadtviertel Kadiköy wurden wegen
angeblicher Korruption festgenommen.
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(c) Junge Welt 2011