Nach einem zweiwöchigem Boykott der Parlamentsarbeit haben
die Abgeordneten der größten türkischen Oppositionspartei am Montag nachmittag
ihren Eid abgelegt. Die Mitglieder der kemalistischen Republikanische
Volkspartei (CHP) hatten bei der konstituierenden Parlamentssitzung am 28. Juni
die Vereidigung verweigert, da zwei ihrer gewählten Abgeordneten weiterhin
unter dem Vorwurf der Verwicklung in Militärputschplanungen in
Untersuchungshaft sind. Ohne auf das Schicksal der Inhaftierten einzugehen,
einigte sich die CHP nun jedoch mit der regierenden islamisch-konservativen AKP
von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan auf eine gemeinsame Erklärung,
wonach die Lösung aller Konflikte ausschließlich in der Großen
Nationalversammlung der Türkei stattfinden solle.
An ihrem Parlamentsboykott festhalten wollen hingegen die Abgeordneten des
kurdischen Linksblocks, die zu den Gesprächen mit der AKP nicht eingeladenen
worden waren. Die 30 Abgeordneten protestieren gegen den vom Hohen Wahlrat
verkündeten Entzug des Mandats ihres von 78000 Wählern in Diyarbakir gewählten
Kollegen Hatip Dicle, dessen Sitz an eine AKP-Abgeordnete vergeben wurde.
Weiter richtet sich der Boykott gegen die Inhaftierung von fünf Parlamentariern
des Blocks wegen angeblicher Mitgliedschaft in der illegalen Arbeiterpartei
Kurdistans (PKK).
Der inhaftierte PKK-Vorsitzende Abdullah Öcalan rief die Abgeordneten des
kurdischen Blocks unterdessen über seine Rechtsanwälte dazu auf, sich an der
Ausarbeitung einer neuen Verfassung im Parlament zu beteiligen. Ihren Eid
sollten sie allerdings erst leisten, wenn sie von der Regierung schriftliche
Garantien für ein Eingehen auf ihre Forderungen erhalten. Über eine Fortsetzung
des Boykotts soll am Donnerstag der Kongreß für eine demokratische Gesellschaft
(DTK), ein Dachverband der prokurdischen Partei für Frieden und Demokratie
(BDP) und kurdischer Organisationen, auf seiner Generalversammlung in
Diyarbakir entscheiden
Den Artikel finden Sie unter: http://www.jungewelt.de/2011/07-13/037.php
(c) Junge Welt 2011