Niedenstein, den 18.5.2002
An
die
Tageszeitung; taz, Berlin
Per e-mail: > briefe@taz.de
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Fax: 030/ 59001040
Sehr
geehrte Damen und Herren,
die
taz konnte viele Jahre zu Recht für sich in Anspruch nehmen, über die Verhältnisse
in der Türkei differenziert zu informieren und informiert zu sein. Dieser
positive Eindruck war auch noch für Ihre bis vor 11/2 Jahren erscheinende
Donnerstags- Beilage ‚Persembe’ zu konstatieren.
Umso
unverständlicher war mir Ihre dpa-Meldung vom 12.10.02, in der behauptet wird,
dass O.Öcalan zur Fortsetzung der Bürgerkriegs in der Türkei aufruft, wenn
Dehap nicht zur Wahl zugelassen wird. Gestern wurde der
Osman Öcalan sogar zum Dehap- Chef. Diese Meldungen sind schlicht falsch
, werden aber mit großer Intensität von rechtsradikalen Kreisen (wie der MHP)
oder Geheimdienstkreisen in der Türkei lanciert.
Tatsache
ist, dass -der Bruder des inhaftierten A. Öcalan- O. Öcalan nicht in der Türkei
lebt und die kürzlich in der Türkei gegründete prokurdische Partei Kadep
unterstützt. Auch in der, in Deutschland erscheinenden prokurdischen
Tageszeitung yeni Politika, wird klargestellt, dass das ‚dpa- Öcalan- Zitat’ nicht den Tatsachen entspricht.
Schlimm
ist es aber, dass in Ihrer Zeitung über die DEHAP die Info vermittelt wird,
dass es hier scheinbar um eine PKK- Tarnorganisation ginge.
Unter
dem Dach der DEHAP kandidiert zu den türkischen Wahlen am 3.11.02 der Wahlblock
: ’Für Arbeit, Frieden und Demokratie’. Diesem Block gehören neben der
DEHAP die prokurdische HADEP, die sozialistische Partei der Arbeit (EMEP) und
die sozialistisch demokratische Partei (SDP) an. Neben HADEP und DEHAP ,- die
sich schon immer für ein friedliches Zusammenleben von Türken, Kurden und anderen Minderheiten in diesem Land
eingesetzt haben -, kommen mit den anderen Parteien der türkischen Linken Kräfte
hinzu, die enge Verbindung zur kämpferischen Gewerkschaftsbewegung,
fortschrittlichen Intellektuellen oder Menschenrechtlern haben: Z.B.: Das
EMEP- Vorstandsmitglied Sabri Topcu ist Vorsitzender der
Transportarbeitergewerkschaft TÜMTIS oder der SDP- Vorsitzende Akin Birdal war
lange Zeit Vorsitzender des Menschenrechtsvereins IHD. Sie kandidieren beide auf
der DEHAP-Liste.
Die
DEHAP oder der Block waren durch
die oberste Wahlkommission (YSK) bereits zur Wahl zugelassen. Bei den dann
folgenden großen und friedlichen Wahlkundgebungen sowie Umfragen wurde deutlich, dass dieses Wahlbündnis die
10%-Hürde überspringen kann. Erst dann versuchte die Generalstaatsanwaltschaft
die DEHAP- Kandidatur zu unterbinden. Dieser Versuch ist am 16.10.02
fehlgeschlagen.
Mit
freundlichen Grüßen
Wilhelm Frohn, Vorsitzender Emek- Solidarität e.V.