Ermordete Dorfbewohner bestattet

Nick Brauns

Zehntausende Menschen beteiligten sich am Wochenende an den Trauerfeiern für 35 zuvor im türkisch-irakischen Grenzgebiet durch einen Luftangriff getötete zumeist minderjährige Dorfbewohner in Uludere in der türkischen Provinz Sirnak. Mit Sprechchören wurde die Guerilla zu einem Vergeltungsschlag aufgerufen.

Unterdessen versuchen regierungsnahe Medien seit Tagen, der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) die Schuld für den Luftangriff zu geben. Ein PKK-Doppelagent innerhalb des türkischen Geheimdienstes MIT habe dem Militär gemeldet, bei der Schmugglergruppe handle es sich um Guerillakämpfer, mutmaßen die Tageszeitungen Zaman und Taraf. Ziel sei es gewesen, die Armee zu diskreditieren, um die örtliche, loyal zum Staat stehende Bevölkerung zum Aufstand anzustacheln. Überlebende des Angriffs bestätigten unterdessen, daß Soldaten die Schmuggler vor dem Luftangriff gestoppt hatten und somit wußten, daß es sich nicht um bewaffnete Guerillas handelte. Die PKK geht daher von einem vorsätzlichen Massaker zur Einschüchterung der Bevölkerung aus.

Der als graue Eminenz hinter der türkischen Regierung geltende islamische Ordensführer Fethullah Gülen sprach in einer Kondolenzbotschaft für die Getöteten offenbar mit Blick auf die kurdische Bewegung von »Kreisen«, die den Schmerz ausnutzen, um die »Söhne der Nation gegeneinander auszuspielen«. Gülens Trauer erscheint um so heuchlerischer, da er erst vor wenigen Wochen in einer Fatwa zur Vernichtung der kurdischen Befreiungsbewegung aufgerufen hatte.

505 Soldaten und Polizisten sowie 165 Guerillakämpfer starben im vergangenen Jahr bei Kämpfen in Kurdistan. Diese blutige Jahresbilanz hat die PKK nun vorgelegt. Die türkische Armee führte demnach 680 Bodenoperationen, Luft- und Artillerieangriffe durch, während die Guerilla ihrerseits 167 Aktionen startete. Dabei kam es zu 45 Gefechten. Zudem wurden mehr als 50 Zivilisten durch das türkische Militär getötet.

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