Pressemitteilung der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag
30.10.2009, Sevim Dagdelen
Regierung widerlegt Bosbachs Lüge von der
Integrationsverweigerung
"Wenn man die amtlichen Zahlen kennt, fällt es schwer, angesichts der
Äußerungen von Wolfgang Bosbach nicht von gezielten
Attacken gegen Migrantinnen und Migranten zu sprechen, die ein Klima der
Diskriminierung, Einschüchterungen, Anfeindungen und Beleidigungen legitimieren
soll. Die Regierung selbst widerlegt seine Lüge von der
Integrationsverweigerung", erklärt Sevim Dagdelen
zur Antwort der Bundesregierung auf eine Schriftliche Anfrage zur Teilnahme an
Integrationskursen. Die migrationspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE
weiter:
"Die Zahlen der Bundesregierung belegen, dass Migrantinnen und Migranten
großes Interesse an der Teilnahme an den Integrationskursen haben. Eine
Aussage, ob es sich bei den zur Teilnahme Verpflichteten um 'Verweigerer'
handelt, kann nicht getroffen werden. Zumeist haben die Betroffenen gute
Gründe, nicht an einem Kurs teilzunehmen: Umzug, Fortzug
ins Ausland, Schwangerschaft, Eintritt in den Arbeitsmarkt, Krankheit,
Unzumutbarkeit der Teilnahme. Genauso vielfältig sind die Gründe dafür, dass
rund 10 Prozent den Kurs abbrechen. Pauschal von einer Verweigerungshaltung zu
sprechen, ist deshalb kompletter Unsinn.
Noch absurder ist der Verweigerungsvorwurf im Fall der türkischen
Staatsangehörigen. Nach den vorliegenden offiziellen Angaben haben diese im 1.
Halbjahr 2009 im Verhältnis zur Anzahl der Zulassungen und Verpflichtungen zur
Teilnahme zu 158 Prozent, im Jahr 2008 zu 110 Prozent und im Zeitraum 2005 bis
Mitte 2009 zu 106 Prozent von den Integrationskursen Gebrauch gemacht.
Wer hier von Verweigerung spricht, will von den eigentlichen
Integrationshindernissen ablenken und Zwang und Repression rechtfertigen. Wem
es ernsthaft um Integration geht, muss sich hingegen Fragen der sozialen
Sicherheit und der rechtlichen Gleichstellung stellen. Mehr und bessere Sprach-
und Integrationskurse sind wichtig. Sie schützen Migrantinnen und Migranten
aber nicht vor Hartz IV, Arbeitsverboten und sozialer Benachteiligung im
Bildungssystem. Diese Benachteiligungen und Diskriminierungen sind nicht die
Folge unzureichender Integration der Betroffenen. Das Gegenteil ist der Fall:
Die Benachteiligungen und Diskriminierungen sind es, die den Betroffenen ihre
Integration tagtäglich erschweren."
- - - - - - - - - - - - -
Weitere Informationen:
Fraktion DIE LINKE. im Bundestag, Pressestelle
Platz der Republik 1, D-11011 Berlin
mailto:pressesprecher@linksfraktion.de,
linksfraktion.de
Fax: +49.30.227.56801
Hendrik Thalheim, Pressesprecher, Tel. +49.30.227.52800
Archiv der Pressemitteilungen unter www.linksfraktion.de/pressemitteilungen.php
Abbestellung des Abos unter www.linksfraktion.de/presseabo.php
------