Verein zur Förderung der Medien- und Pressefreiheit in der
Türkei EMEK Solidarität e.V.
Niedenstein, den 27.9.2007
Überfall
auf Mitglieder und Funktionäre der Gewerkschaft TÜMTIS und die Festsetzung der Überfallenen durch
Polizeibehörden in Izmir
An den
Ministerpräsidenten der Türkischen Republik
Basbakan Recep Tayyip Erdogan
Ankara/Türkei per Fax:+903124192258
Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,
aus Berichten und der Pressemitteilung der Gewerkschaft
TÜMTIS haben wir erfahren, dass eine Gruppe von Mitgliedern der TÜMTIS am
20.9.2007 angegriffen und schwer verletzt wurden, so dass sie in ein
Krankenhaus eingeliefert werden mussten. Diese TÜMTIS- Kollegen haben auch in
Izmir versucht ihre gewerkschaftliche Rechte wahrzunehmen. Sie wurden von einer
Gruppe von Schlägern angegriffen, die mit Fahrzeugen des Transportunternehmens
Akdenniz Selcuk Nakliyat Ambari vorfuhren.
Eine Anerkennung des gewerkschaftlichen Status bei diesem
Transportunternehmen war bei ihrem zuständigen ‚Ministerium für Arbeit’
beantragt worden, nachdem TÜMTIS die formalen und organisatorischen
Voraussetzungen erfüllt hatte.
Für besonders skandalös halten wir, dass nicht die offenbar von Unternehmerseite
bestellten Provokateure zur Rechenschaft gezogen wurden: Stattdessen wurden die
Gewerkschaftskollegen von TÜMTIS von der Polizei in Izmir festgenommen,
und sie wurden nach Verhören erst einen
Tag später wieder freigelassen.
Als Gewerkschafter war ich gestern bei einer Kundgebung
meiner Dienstleistungs-gewerkschaft VERDI in Kassel, und ich habe die
Mitteilung über diese ungeheueren Vorfälle in Izmir an die dort protestierenden
Arbeiter, Angestellten und Lehrer - sowie die dort anwesenden Pressevertreter - weiter gegeben. Alle Kolleginnen und Kollegen
mit denen ich gesprochen habe, waren entsetzt, dass solche antidemokratischen
Vorfälle in der Türkei möglich sind. Alle diese Kollegen in Deutschland fühlen
sich mit ihren kämpfenden Gewerkschaftskollegen solidarisch verbunden.
An Sie ,Herr Ministerpräsident, richte ich die Bitte und
Forderung: Stellen Sie das auch in der
türkischen Verfassung festgeschriebenen ‚Recht
auf gewerkschaftliche Organisierung und Betätigung’ sicher. Im vorliegenden
Fall müssen die Provokateure und Schläger sowie ihre offenkundigen Hintermänner
aus dem Unternehmerlager zur Rechenschaft gezogen werden.
Mit freundlichen Grüßen
Wilhelm
Frohn, Vorsitzender EMEK Solidarität e.V.
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