Angriffe
auf die Presse machen keinen Halt
Das
Wort Demokratisierung ist einer der meist verwendeten Begriffe. Nicht nur
diejenigen, die Demokratie am nötigsten haben, gebrauchen das Wort, sondern
auch die anderen, die am langen Hebel sitzen. Die Koalitionsparteien in der Türkei
beschwören der Bevölkerung täglich eine glänzende Zukunft für die Türkei.
Das ist aber nur durch eine tatsächliche Demokratisierung zu verwirklichen. Die
realen Zustände und durchgesetzte Maßnahmen im Land stehen jedoch im
Widerspruch zu dem, was täglich beschworen wird.
Besonders
der Staatspräsident Demirel und der Ministerpräsident Ecevit erklären bei
jeder Gelegenheit, dass die Medien der größte Garant für die Demokratie sind.
In der Praxis jedoch nehmen die Angriffe auf die Presse- und Medien kein Ende.
Nach
einem Bericht des Journalistenverbandes die Türkei-(TGC) haben sich die
Angriffe auf Presse auch im ersten Monat des Jahres 2000 nicht verringert. TGC-
Berichten zufolge wurden in Januar in fünf Fällen Angriffe auf Journalisten
verzeichnet. Bei diesen Angriffen wurden der Kameramann des Senders IHA mit
Messerstichen verletzt, gegen die Zeitungsbüros der Akit und Atilim wurden Schüsse
abgegeben und Bombenattentate auf das Büro des „Zeitgenössischen
Journalistenvereins„ in Eskisehir verübt sowie auf die Zentrale der
Tageszeitung Hürriyet in Istanbul. Darüber hinaus hat das
Gesundheits-Ministerium veranlasst, dass Journalisten in die Zeltstädte des
Kizilay (Türkischer Halbmond) im Erdbebengebiet, in den Atatürk
Flughafenbereich in Istanbul und in das Camp der Fußballmannschaft Galatasaray
nur eingeschränkt Zutritt bekamen. Auch bei offiziellen Besuchszeiten in den
Gefängnissen wurde den Journalisten im Januar kein Zutritt gewährt.
·
Im Januar wurden in 18 Verfahren gegen
die Journalisten, Verleger und Chefredakteure insgesamt 96 Jahren Haftstrafen
und 20 Mrd. Türkische Lira Geldstrafe gefordert. Zwei Journalisten erhielten
jeweils 12 Monate Haftstrafen.
·
Zwei Zeitungen und zwei Journalisten
erhielten 3,8 Mrd. TL Geldstrafe.
·
Ein Buch und eine Ausgabe einer
Zeitung wurden konfisziert.
·
Das Amt für die
Rundfunkanstalten (RTÜK) verhängte gegen zwei Fernsehsender 4 Tage, gegen 9
Radiosender insgesamt 1035 Tage Sendeverbote. (Evrensel 15.02.2000)