Argentinien, die Türkei und der IWF

Ahmet Yasaroglu

1- Die Ereignisse in Argentinien zeigen, dass ohne die Unterstützung des Internationalen Währungsfonds IWF keine Krise überwältigt werden kann.
2- Die Ereignisse in Argentinien zeigen, dass der IWF ein Land, mit dem er irgendwann ein Abkommen unterzeichnete, nicht bis in die Ewigkeit unterstützt und es dann auch im Regen stehen lässt, wenn es seinen Anweisungen nicht folgt.
3- Die Ereignisse in Argentinien zeigen, dass die Rezepte des IWF nicht unabänderbar sind. Je nach Situation oder Zeit können diese Rezepte geändert werden... Nach der argentinischen Krise erklärten der IWF, die USA und die Europäische Union, ihre Unterstützung für die Türkei würde fortgesetzt. Argentinien hingegen wurde alleine gelassen. Wir dürfen uns also nicht beklagen. Allerdings dürfen wir uns mit der Unterstützung aus dem Ausland nicht zufrieden geben. Wir müssen aus den Ereignissen in Argentinien die Lehren ziehen und unsere Aufgaben erfüllen." (Güngör URAS, Milliyet vom 21.12.2002)

Treffen die obigen Feststellungen zu? Nein, sie sind alle falsch und sind auf verdrehten Tatsachen kontruiert. Ist der Grund dieser Krise nicht die Politik des IWF selbts? Kann sich noch jemand an die Zahl der IWF-Rezepte erinnern, die beschlossen, angewendet und später für unbrauchbar erklärt wurden? Der IWF wirft wie ein Angler die Angelrute ins Wasser. Wenn ein Land anbeissen sollte, hat es keine Möglichkeit aus dem bestehenden Netz herauszukommen. Entweder muß es das IWF-Diktat annehmen – so wie unser Land, das nach einer IWF-Anweisung innerhalb von 15 Tagen 15 Gesetze veranschieden mußte – oder die Wirtschaft geht bankrott. Kann es denn tief Luft holen, wenn es das Diktat befolgt? Natürlich nicht. Wenn die IWF-Anweisungen befolgt werden, wird die Krise für eine gewisse Zeit aufgeschoben und die Räder der Wirtschaft werden gerade soviel gedreht, wie es für die Tilgung der Schulden nötig ist. Mit anderen Worten: Die Kuh wird gefüttert, damit sie gemolken werden kann. Wie kann von einem Land in einem solch erbärmlichen Zustand erwartet werden, dass es sich nicht beklagt? Wenn man dem Kolumnisten Uras Glauben schenken darf, sollte es sich nicht beklagen und für die Unterstützung dankbar sein!

Wenn jemand, dazu noch ein Ökonom, imstande ist, die obigen Behauptungen aufzustellen und sie in einer Zeitungskolumne niederzuschreiben, dann muß er in der Tat sehr gut lügen können, ohne dabei rot zu werden. Argentinien ist am Ende, weil es die IWF-Rezepte befolgt hat und das Volk dort ist aufgestanden, um diese Rezepte zu zerreissen, die einen imperialistischen Raub bedeuten. Die weiteren Entwicklungen werden wir alle gemeinsam verfolgen. Die Rezepte werden entweder mit Gewaltanwendung und vielleicht auch einem Militärputsch angewendet. Oder das argentinische Volk wird die Vertreter des IWF und die Befürworter des Imperialismus aus dem Land jagen. Wenn die erste Möglichkeit eintritt, wird die

Bewegung für eine vorübergehende Zeit zurückgeschlagen, um jedoch danach noch stärker wieder zu kommen. Sollte das Volk sein Los in die eigenen Hände nehmen, wird das nicht nur für Argentinien, sondern für alle Werktätigen der ganzen Welt der beste Hinweis dafür sein, welchen Weg sie einschlagen müssen.

Die Ereignisse in Argentinien beweisen, dass die IWF-Rezepte, die von den großen imperialistischen Staaten diktiert werden, keine Lösung der Probleme bringen. Mit ihnen wird eine Struktur aufgebaut, mit der die abhängigen Länder jederzeit in eine Krise gestürzt werden können. Sie bilden die Grundlage dafür, dass die imperialistischen Zentren ihre eigenen Krisen exportieren oder für eine bestimmte Zeit abbremsen können. Die Werktätigen Argentiniens zeigen den Arbeitern auf der ganzen Welt, welchen Weg sie einschlagen müssen. Die herrschenden Klassen und ihre Sprachrohre bei uns sagen, dass unser Land keine Entwicklung wie Argentinien durchleben werde. Die Arbeiter und Werktätigen hingegen verfolgen aufmerksam die Ereignisse in Argentinien. Kann es etwas Natürlicheres geben, dass sie ihre Erfahrungen mit denen aus Argentinien bereichern möchten und ähnliche Entwicklungen wie dort durchleben möchten?