Wenn Sie einen der Artikel vollständig lesen möchten, können
Sie die Suchmaschinen von “paperball” (http://suche.paperball.de/cgi-bin/pursuit?query=t%C3%BCrkei&enc=utf-8&cat=pb_loc)
oder “yahoo” (http://news.google.de/news?hl=de&ned=de&q=T%FCrkei&btnG=News-Suche)
mit entsprechenden Schlüsselbegriffen benutzen oder auf der Homepage von ISKU
nachschauen (www.nadir.org/nadir/initiativ/isku/).
Frankfurter
Rundschau, 26.09.2006
Polizei
vereitelt Terroranschläge in Izmir
Die türkische
Polizei hat bei einer Razzia in der Hafenstadt Izmir am Montag 9,1 Kilogramm
Sprengstoff sichergestellt. Damit seien die Fahnder geplanten Anschlägen
kurdischer Extremisten zuvorgekommen, meldete die staatliche Nachrichtenagentur
Anadolu.
Ein Verdächtiger
wurde festgenommen. Nach Polizeiangaben handelt es sich bei dem 50-Jährigen um
einen kurdischen Extremisten. Sprengstoff derselben Machart wurde bei mehreren jüngst
verübten Anschlägen in der Westtürkei benutzt. Für die Attentate werden
kurdische Gruppen verantwortlich gemacht. Die kurdische Arbeiterpartei PKK
bekannte sich zu einem Bombenanschlag in der osttürkischen Stadt Igdir, bei dem
am Samstag 17 Menschen verletzt wurden. Sie übernahm auch die Verantwortung für
einen am Samstag verübten Anschlag auf einen Güterzug in der Südosttürkei.
Am Sonntag wurde bei einem Feuergefecht mit kurdischen Rebellen in der Provinz
Mardin ein Offizier der Streitkräfte getötet...
Frankfurter
Rundschau, 26.09.2006
Hintergrund
Atatürk
im Tschador
Prozess
gegen Autorin
VON GERD HÖHLER
"Latife
Hanim" heißt der Besteller, den viele Türken in diesem Sommer
verschlingen. Vor gut zwei Monaten erschien das Buch, jetzt liegt bereits die
neunte Auflage in den Läden, so riesig ist die Nachfrage. Der 500 Seiten starke
Wälzer beschreibt das Leben der Latife Hanim, die von 1923 bis 1925 mit dem türkischen
Republikgründer Mustafa Kemal, dem späteren Atatürk, verheiratet war. Mehr
als 20 Jahre lang recherchierte die Autorin, die angesehene Publizistin Ipek
Calislar, für diese erste Biographie einer Frau, die bisher ganz im Schatten
des großen Atatürk stand. Doch das Buch bereitet Ipek Calislar Ärger. Am 5.
Oktober muss die Verfasserin vor einer Strafkammer in Istanbul erscheinen. Ihr
drohen bis zu viereinhalb Jahre Haft. Sie soll, so die Anklage, das Ansehen des
Staatsgründers Atatürk beschmutzt haben.
Es geht um
eine Anekdote, die im April 1923 spielt, dem Jahr der Republikgründung. Eine
turbulente Zeit ... Da wird Kemals Haus eines Nachts von Konterrevolutionären
belagert. Während Latife Hanim die Angreifer geschickt hinhält, gelingt Kemal
die Flucht aus dem Gebäude: in einen Tschador gehüllt, einen Umhang, wie ihn
strenggläubige Muslima tragen. Er entkommt unerkannt in einer Gruppe von Frauen
und Kindern.
Eine
spannende Story. Nein, findet Hüseyin Tugrul Pekin. Er las in einem Vorabdruck
der Zeitung Hürriyet die Episode - und war entsetzt: Atatürk in
Frauenkleidern? Dass Mustafa Kemal zu einer solchen List gegriffen habe, sei
"eine Beleidigung für ihn, die türkische Nation und insbesondere mich
selbst", schrieb der Leser in seiner Strafanzeige. Der Staatsanwalt des
Istanbuler Bezirks Bagcilar nahm sich der Anzeige mit großem Eifer an. Nicht
nur die Biographin Ipek Calislar muss nun vor Gericht, auch Necdet Tatlican, der
für den Vorabdruck verantwortliche Redakteur der Zeitung Hürriyet, ist
angeklagt. Dass die geschilderte Flucht laut Calislar durch Zeitzeugen belegt
ist, scheint dabei niemanden zu interessieren.
yahoo,
26.09.2006
Kurdische
Lokalpolitiker in der Türkei vor Gericht
In der Türkei
müssen sich seit Dienstag 56 Bürgermeister aus dem Kurdengebiet vor Gericht
verantworten. Bei dem Prozess im südostanatolischen Diyarbakir drohen den
Lokalpolitikern Haftstrafen von jeweils bis zu 15 Jahren, wie der türkische
Nachrichtensender NTV berichtete. Die Bürgermeister von der Kurdenpartei DTP
hatten sich im vergangenen Jahr mit einem Brief an die Regierung Dänemarks
gewandt und darum gebeten, den Satellitensender Roj-TV nicht zu verbieten, wie
die Türkei das fordert. Da der in Dänemark angesiedelte Sender als Sprachrohr
der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) gilt, wirft die
Staatsanwaltschaft den Bürgermeistern nun Unterstützung einer terroristischen
Vereinigung vor.
yahoo,
27.09.2006
Türkische
Schulreform bleibt hinter EU-Forderung zurück
Das türkische
Parlament hat ein von der EU gefordertes Gesetz zur Reformierung von Schulen für
Minderheiten verabschiedet, dabei aber eine zentrale Regelung gestrichen.
Demnach dürfen Minderheitenschulen nicht von Ausländern besucht werden. Das am
Dienstag gebilligte Gesetz macht die von griechischen, armenischen und jüdischen
Minderheiten gegründete Schulen nur für Schüler zugänglich, die aus der Türkei
stammen.
Im Rahmen
dieses Themas war auch über die Wiedereröffnung einer vor 35 Jahren
geschlossenen griechisch-orthodoxen Religionsschule diskutiert worden. Die EU
hat wiederholt
die Wiederaufnahme des Unterrichts an der theologischen Schule von Halki
gefordert ...
Der
Vorsitzende der Bildungskommission im türkischen Parlament, Tayyar Altikulac,
erklärte, die Verabschiedung der Schulreform bedeute, dass das Halik-Seminars
geschlossen bleibe. Nur eine Verfassungsänderung könne daran etwas ändern,
sagte Altikulac.
Die Welt,
27.09.2006
Journalist
in der Türkei angeklagt
Kurz nach
dem Freispruch der türkischen Schriftstellerin Elif Shafak vom Vorwurf der
Herabwürdigung des Türkentums ist ein armenischer Journalist wegen desselben
Delikts angeklagt worden. Hrant Dink, dem Chefredakteur der türkisch-armenischen
Wochenzeitung Agos, wird vorgehalten, die Massaker an den Armeniern im Ersten
Weltkrieg als "Völkermord" bezeichnet zu haben, wie die Presse
gestern berichteten. Der Anklage eines Istanbuler Staatsanwalts liegt der von
der EU als Einschränkung der Meinungsfreiheit heftig kritisierte Paragraf 301
zugrunde. Er sieht für Beleidigung des Türkentums Haftstrafen von bis zu drei
Jahren vor ...
Weser
Kurier, 27.09.2006
Von
Öcalan zu Allah - Islamisten erstarken im PKK-Stammland
Religiöse
Gruppen bringen in türkischen Kurdengebieten schon jetzt mehr Menschen auf die
Beine als die politischen Parteien
Von
unserer Korrespondentin Susanne Güsten
ISTANBUL.
Nach Monaten der Gewalteskalation in der Türkei will die kurdische
Rebellenorganisation PKK nach Angaben des irakischen Staatspräsidenten Dschalal
Talabani in den nächsten Tagen einen neuen Waffenstillstand ausrufen ... Ob mit
einem neuen PKK-Waffenstillstand die Gewalt in der Türkei ein Ende haben wird,
ist aber fraglich. Der radikale PKK-Ableger "Freiheitsfalken
Kurdistans", der es unter anderem auf westliche Urlauber abgesehen hat,
will weiter bomben - und im Kurdengebiet gibt es Anzeichen dafür, dass
islamische Fundamentalisten zum großen Nutznießer der Hoffnungslosigkeit in
der Region werden könnten. Kurdenpolitiker befürchten ein Erstarken der türkischen
Hisbollah. Schon jetzt bringen islamische Organisationen im Kurdengebiet mehr
Menschen auf die Straße als die politischen Parteien. So mobilisierte der
fromme Verein "Mustazaflar Dernegi" auf dem Höhepunkt der Aufregung
über die Mohammed-Karikaturen Anfang des Jahres in der Stadt Diyarbakir bei
einer Demonstration mehr als 150 000 Menschen. Rund 100 000 Gläubige folgten
dem Aufruf des Vereins zu einer Kundgebung zum Geburtstag des Propheten Mohammed
im April. Derartige Massen bringe noch nicht einmal die in Diyarbakir besonders
starke Kurdenpartei DTP zusammen, kommentierte eine Zeitung. Dabei ist der
Verein gerade einmal zwei Jahre alt. Gleichzeitig steigt in der von hoher
Arbeitslosigkeit und tiefer Armut geprägten Gegend das Interesse an Korankursen
für die Jugend sprunghaft. In Diyarbakir, der größten Stadt des türkischen
Kurdengebietes, verdoppelte sich die Zahl der Kursteilnehmer innerhalb eines
Jahres auf 27 000 Menschen. Insgesamt gibt es inzwischen knapp 80 000 Koranschüler.
Auch der politische Islam werde stärker, sagt der Politiker Hasim Hasimi, einer
der besten Kenner des Kurdengebietes. Die Kurden seien seit jeher fromm und
konservativ, doch hätten die kurdischen Parteien diesen Teil des
Volkscharakters vernachlässigt und die ethnische Identität in den Vordergrund
gestellt, kritisiert Hasimi. Dieses Vakuum werde jetzt von islamistischen Kräften
gefüllt. Viele Kurden sehen für sich und ihre Familien keine Zukunft, weil es
in ihrer Heimat in Südostanatolien kaum Arbeitsplätze und keine Investitionen
gibt. Armut und Hoffnungslosigkeit waren auch schon in anderen Teilen des Nahen
Ostens ein fruchtbarer Nährboden für den islamischen Fundamentalismus. Deshalb
geht nun auch in der Türkei die Angst vor einer kurdisch-islamistischen
Terrororgansation um ...
Baseler
Zeitung (online), 30.09.2006
Die
verbotene Kurdische Arbeiterpartei (PKK) will von (morgigem) Sonntag an einen
Waffenstillstand einhalten. Eine Entwaffnung der Organisation komme jedoch nur
in Frage, «wenn die Türkei eine demokratische Lösung hat», sagte der militärische
Führer der PKK, Murat Karayilan, am Samstag in den Kandil-Bergen im Nordosten
des Iraks. Der Kampf der kurdischen Rebellen für mehr Autonomie im Südosten
der Türkei hat seit 1984 rund 37.000 Menschen das Leben gekostet.
Die PKK-Kämpfer würden nur noch zu den Waffen greifen, wenn sie angegriffen würden,
erklärte Karayilan. Militärische Einsätze werde es nicht mehr geben. Die PKK
folgt damit einem Aufruf des inhaftierten Rebellenführers Abdullah Öcalan, der
die Aufständischen am Mittwoch aufgefordert hatte, sich um eine friedliche und
demokratische Lösung zu bemühen.
Die türkische Regierung hat die bisherigen Waffenstillstandserklärungen der
PKK ignoriert und erklärt, sie verhandle nicht mit Terroristen ...
Am Samstag wurde bei einer Minenexplosion im Südosten der Türkei ein Soldat
getötet, ein weiterer wurde verletzt, wie die private Nachrichtenagentur Dogan
berichtete ...