Beziehungen zwischen den Medien und dem Kapital in der Türkei 

Die besonderen Beziehungen zwischen den Medien und dem Kapital sind sicherlich nicht neu. Die Ereignisse in den letzten Wochen jedoch führten u.a. auch dazu, dass sich der Blick auf diesen Bereich und diesen Problemteil zu konzentrieren schien: Die unternehmerische Verflechtung der Medienbosse mit den Unternehmen /Holdings und Banken.

 In letzter Zeit sind drei Banken in den Konkurs heruntergewirtschaftet worden. Die Beziehungen und die ökonomischen Grundlagen der Medienanstalten zur diesen Banken fußt auf Darlehensbasis. Das zeigt, welchen enormen Einfluss das Kapital über die Medien verfügt. Der Chef der ´Sabah Gruppe´, Dinc Bilgin ist der größte Teilhaber der zum Konkurs gebrachten ´Etibank`. Der Kolumnist Rauf Tamer der Tageszeitung ´Sabah´ wird im Zusammenhang mit Murat Demirel erwähnt, der den Skandal der ‘Egebank` ausgelöst hatte. Es wird spekuliert, dass manche Kolumnisten der „großen„ Tageszeitungen die Unternehmer erpressen, wodurch sie Millionen Dollar Einnahmen kassieren.

 Der „Held der Privatisierung„ Turgay Ciner wird Teilhaber der Sabah Gruppe. T. Ciner wird auch in dem Ausschlussbericht über den Susurluk-Skandal erwähnt  Der Begriff Susurluk- Skandal ist seit November 96 ein synonym für Bestechungen, Korruption, Bandentum und für andere schmutzige Praktiken geworden. Denn am 03. November 1996 sind bei einem Verkehrsunfall in der Nähe der Kleinstadt Susurluk drei Persönlichkeiten, die gerade die Verflechtung zwischen dem Staat, Mafia, Politik, Polizei und faschistischen grauen Wölfe symbolisieren, ums Leben gekommen.  

Die Aktienkurse schwanken in Abhängigkeit von Ereignissen und gezielten Informationen in der Medienwelt.

Wie stehen die Journalisten dazu? Es scheint so, als ob viele Kolumnisten in bürgerlichen Zeitungen mit ihren Arbeitgebern nicht besonders unzufrieden sind. Die Medienbarone unternehmen sowieso ‚interne Maßnahmen’, wenn es nötig sein sollte. Beispielsweise mussten zwei Kolumnisten der Zeitung ‘Milliyet’ ihren Platz räumen, als die ‚freundlichen’ Beziehungen der Medienbarone Murat Demirel (Milliyet) und Nail Kecili (Cenajans) zum Haupttitel der Zeitung wurden. Was haben die Kolumnisten der Sabah gemacht, als bekannt wurde, dass der Chef der Sabah für den Konkurs der Etibank verantwortlich ist?

Der Hauptkolumnist der Sabah-Zeitung, Güngör Mengi sowie andere, schrieben tagelang darüber, welche positive Eigenschaften ihrer Chef (Dinc Bilgin) hat und wie „ehrlich„ er sei. Selbst der Sportkommentator der Zeitung schrieb im Sportteil Bemerkungen, um Dinc Bilgin positiv darzustellen.

Ein anderer wichtiger Punkt, der nicht zu übersehen ist, ist die Tatsache, dass Zeitungen so gelenkt werden, wie es die Bedürfnisse der jeweiligen Chefs erfordern. So wird die „Privatisierung„ besonders positiv hervorgehoben, wenn die Chefs der Zeitungen Interesse an einer Ausschreibung zeigen. Die Zeitungen werden dazu missbraucht, um Gegner zurückzudrängen. Die Konsortien der Zeitungen nehmen bei Privatisierungen der staatlichen Betriebe entscheidenden Einfluss auf Schlagzeilen, Kommentare oder Berichterstattungen.

Die Medienbarone sind auch Besitzer der Banken!

Aydin Dogan 

Unternehmen :Dogan Holding
Zeitungen :Milliyet, Hürriyet, Radikal, Posta
TV : Kanal D
Zeitschriften : Tempo, Milliyet Sanat, Hürriyet Gösteri
Radio : Radio D 
Bank : Disbank, Ulusalbank 

Dinc Bilgin 

Unternehmen  : Medya Holding
Zeitungen : Sabah, Sabah Yayinlari, Fotomac, Yeni Asir (regional)
Zeitschriften: Aktuel
TV : ATV
Bank : Etibank 

Mehmet Emin Karamemet 

Unternehmen: Cukurova Holding
Zeitungen : Aksam
TV : Show TV (Teilhaber)
Bank : Pamukbank, Yapi Kredi Bank 

Erol Aksoy 

TV : Show TV(20% Teilhaber), Cine 5
Radio : Show Radyo, Radyo 5

Cem Uzun 

Unternehmen: Uzun Holding
Zeitung : Star
TV : Star TV, Kral TV, Teleon
Radio : Kral Radyo, Alem FM
Bank : Imar Bank, Adabank 

Ayhan Sahenk 

Unternehmen: Dogus Holding
TV : Kanal E, NTV
Bank : Garantie Bankasi,Sanayi Yatirim Bankasi, Osmanli Bankasi,
Körfezbank.IktisatBank 


Beispiel: Die Zeitung Sabah- Gestern und Heute! 

Ab dem Jahr 1985 erschien „Sabah„. Im Leitartikel wurde ein „objektive„ Nachrichtenvermittlung beschworen „Sabah wird prinzipientreu und objektiv berichten. Sie verfolgt weder Begünstigungen noch Zugeständnisse an den Staat und schöpft ihre einzige Kraft aus den Leserinnen. Die Verlockung des Geldes lässt nicht lange auf sich warten. Je mehr der Inhaber Dinc Bilgin Kapital anhäuft, desto mehr verschwinden die „Prinzipien„ der Zeitung Sabah. Als der ehemalige Chefredakteur der Sabah, Zafer Mutlu seinen Hut nehmen musste, erklärte Mutlu:„Der Mann setzt zehn, um fünfzehn rauszuholen. Wer das anprangert wird als Lügner hingestellt. Ethik, Demokratie oder Medienprinzipien sind leere Worthülsen. Sabah existiert, um Gewinne zu erzielen. Sie strebt nicht danach das Volk zu informieren, sondern es geht nur um das Geldverdienen„.( Evrensel 29.11.00)