Das Volk trug ihre Sehnsucht auf die Strasse

Die Politiker und die verantwortlichen des Staates haben auch dieses Jahr sich große Mühe gegeben, die Bedeutung des Newroz zu manipulieren. Schon einige Tage vor dem 21. März gaben sie Erklärungen ab, dass der „Nevruz“ ( türkisierte Fassung des kurdischen Wortes Newroz, im Türkischen gibt es den Buchstaben w nicht) ein traditionelles Fest der Türken sei und seit Jahrhunderten von Türken als Friedens- und Freundschaftsfest gefeiert werde. Wie in den letzten Jahren wurden auch dieses Jahr offizielle Veranstaltungen organisiert; währenddessen verbietet man in zahlreichen Städten wie Istanbul, Tunceli, Urfa, Malatya usw. die Newrozfeierlichkeiten der demokratischen Organisationen.

Trotz Verbotsaussprechungen und massiven Druck des Staates gingen landesweit Hunderttausende auf die Strassen und zündeten das Newrozfeuer an. In Diyarbakir versammelten sich 60.000, in Batman 30.000, in Adana 20.000, in Mersin 15.000, in Antep und Izmir jeweils 5.000 und weitere Zehntausende Menschen in mehreren Kleinstädten des Landes. In Istanbul fanden in zahlreichen Stadtteilen trotz des Verbots mehrere Newrozfeierlichkeiten statt. Schon am Vorabend des 21. März fingen in vielen Städten die Feierlichkeiten an. Allein in Diyarbakir wurden am Abend des 20. März in über 100 Orten das Newrozfeuer angezündet. Dabei kam es zu Übergriffen der Polizeikräfte. Mehrere Hunderte von Menschen wurden bei genehmigten und nichtgenehmigten Feierlichkeiten landesweit festgenommen.

Die offiziellen „Nevruzfeierlichkeiten“ führten zu einem Fiasko, während das Volk (nicht nur in kurdischen Gebieten) auf die eigene Art feierte; Transparente und Spruchbänder wie „Es lebe die Völkerfreundschaft“, „Aufhebung des Ausnahmezustandes“, Rückführung der Zwangsumgesiedelten in ihre Dörfern“ oder „Wir wollen eine Welt ohne Krieg und Ausbeutung“ beherrschten das Bild der Feierlichkeiten. Das Interesse der Bevölkerung an offiziellen Feierlichkeiten blieb aus. Zu diesjährigen Newrozfeiern haben in meisten Fällen die demokratischen Parteien wie HADEP, EMEP, ÖDP, SIP und einige Gewerkschaften gemeinsam aufgerufen. (Evrensel 19-22.03.2000)