Der Einfluss des Kapitals vernichtet den Inhalt der Berichterstattung 

Vorsitzender des Fernseh- und Journalistenvereins Kemal Aslan erläuterte seine Meinung über die Verflechtung der Medien mit dem Kapital. 

Können sie uns das Profil des Mediensektors beschreiben? 

Momentan befinden sich das Fernsehen und die Zeitungen unter dem Einfluss des Finanzkapitals. Das Industrie und Bankkapital ist miteinander verschmolzen. Der Besitz einer Zeitung und Fernsehanstalt ist heutzutage sehr reizvoll. Denn durch diese Medien können politischer Druck erzeugt und somit Handlungsfähigkeiten zu dem Staat verbessert werden.

Die Türkei hat die Abkommen der „Europäischen Publikationskriterien außerhalb der Landesgrenzen„ unterzeichnet. Danach können Unternehmen, die 20% des nationalen Marktanteil an Publikationen besitzen, keine Fernseh- und Radiosendungen in Besitz nehmen. Trotzdem geht das in der Türkei. Nach 1980, durch die Politik des ehem. Minister- und Staatspräsidenten Özal, nahm der Trend zu. Nach meiner Meinung gibt es Reihe von Zeitungen- und Fernsehkanälen, die durch künstlich erzeugte ‘Tagesordnungen’ das Volk in bestimmte Richtungen beeinflussen und die Realität manipulieren. 

Was ist der Grund dafür? 

Das Problem ist folgendes. Bedauerlicherweise entstand in der Welt vor 30 Jahren und in der Türkei seit 20 Jahren der sog. „News-show-Trend“, was zum Tod der „Nachricht„ geführt hat. Sie bestimmen ihre eigene Tagesordnung und produzieren das gleiche für das gesamte Volk. 

Wie kann man an reale Tagesordnungen zurückkehren? 

Wir müssen diese Sendungen- und Publikationen anprangern. Durch das Medium Internet können durch vermehrt eingereichte Protestfaxe/Mails eine objektive Nachrichtenübermittlung angefordert werden. (Übrigens besser, als es in Europa der Fall ist). Denn nicht nur in der Wirtschaft existiert das Prinzip der Profitgier, sondern auch in diesem Sektor. Die Grundprinzipien des Informationsrechtes, das Wesen, die Art und der Charakter der Nachrichtenübermittlung muss neu diskutiert werden. 

Die Medienbarone in der Türkei besitzen zusätzlich eigene Banken. Wieso möchten die Bankinhaber auch Medienanstalten beherrschen? 

In der Türkei gibt es kaum produzierende Wirtschaft. Seit 20 Jahren wurden die Sektoren wie Rendite oder Einnahmen aus Zinsen ausschlaggebend. Selbst ein pensionierter Arbeiter denkt oft sein „Vermögen„ verzinslich anzulegen. Uns wurden ein „Pseudo-Paradies„ versprochen. Die Journalisten fingen an, sich in anderen Feldern zu bewegen. Ihre Tätigkeit reduzierte sich darauf, den Geldverkehr zwischen den Banken zu organisieren und sich unternehmerisch zu betätigen. Die Kapitalgruppen der Banken brauchen die Medien als ein Mittel zum Zweckdes Kapitalerzeugens. 

Sie sagen, dass das Kapital die Medien beherrscht. Wie ist es in anderen Ländern.? 

In anderen Ländern ist der Einfluss der Kapitalgruppen auf Medien ebenso eine Realität. Dennoch können sie nicht dermaßen offen die Medien manipulieren, wie das in der Türkei der Fall ist. Man redet von editorialer Unabhängigkeit. Natürlich gibt es auch dort politische Gruppen, die Medien sind im Endeffekt ein Mittel der ideologischen Auseinandersetzung. Trotzdem existierten dafür bestimmte Rahmen. Dieser Rahmen fehlt in der Türkei gänzlich. Evrensel 30.11.00