Woche 49/2006

Wegen eines Umzuges der Menschenrechtsstiftung TIHV hat die Dokumentationsabteilung auch in dieser Woche keine Berichte über Menschenrechtsverletzungen herausgegeben. Alle Berichte sind zusammenfassende Übersetzungen des DTF

Radikal vom 14.12.2006

Bilanz der Feuerpause: 28 Tote und 38 Verletzte

Nach Angaben der Abteilung für die Bekämpfung von Terrorismus im Generaldirektorat für Sicherheit (oberste Polizeidirektion) hat die PKK nach Ausrufung des Waffenstillstands am 1. Oktober 2006 insgesamt 72 Aktionen gegen die Sicherheitskräfte durchgeführt. Bei diesen Aktionen wurden 6 Soldaten getötet und 32 Soldaten, 5 Bürger und ein Dorfschützer verletzt. Im gleichen Zeitraum entführte die PKK 2 Personen.

Die Sicherheitskräfte haben im ersten Monat des Waffenstillstands 159 Operationen gegen die PKK geführt. Dabei wurden 22 PKK'ler getötet und 266 gefasst. Zudem haben sich 47 PKK'ler den Sicherheitskräften gestellt.

Radikal vom 14.01.2006

Entschädigungsanspruch verlängert

Der vom AKP-Abgeordneten Osman Aslan (Diyarbakir) eingereichte Gesetzesentwurf zum Gesetz über Abfindung von Schäden durch Terror oder den Kampf gegen den Terrorismus wurde im Parlament verabschiedet. Die Frist für die Antragsstellung, die am 1. Januar 2007 ausgelaufen wäre, wurde um ein Jahr verlängert. Sollte bis dahin nicht über die Anträge entschieden worden sein, so kann das Kabinett die Frist einmalig um ein weiteres Jahr verlängern. Innenminister Abdülkadir Aksu gab bekannt, dass in den 81 Provinzen insgesamt 104 Kommissionen mit der Feststellung der Schäden befasst seien. Von den 225.773 Anträgen seien bisher 44.639 bearbeitet worden und den Personen, die einen positiven Bescheid erhielten, sei eine Gesamtsumme von insgesamt knapp über 140 Millionen YTL ausgezahlt worden. Aksu gab des Weiteren bekannt, dass bisher 145.358 Personen wieder in ihre Dörfer zurückgekehrt seien.

ANF vom 13.12.2006

Journalist aus der Haft entlassen

Vor der 3. Kammer des Landgerichts Malatya fand heute eine Verhandlung gegen 18 Personen statt, die aufgrund der Angaben des Überläufers Engin Korumcu angeklagt worden waren. Das Gericht beschloss die 11 der 12 in U-Haft befindlichen Angeklagten, darunter auch der Reporter der Agentur DIHA, Rüstü Demirkaya, aus der Haft zu entlassen. Gegen den Überläufer Engin Korumcu wurde ein neues Verfahren unter Artikel 302 altes TStG (vormals Artikel 125) eröffnet.

Netzwerk Bia vom 14.12.2006

Zwei Tage Isolation für KDV Savda

Nachdem der Kriegsdienstverweigerer (KDV) Halil Savda nach einer Gerichtsverhandlung in Corlu am 7. Dezember 2006 wegen Befehlsverweigerung inhaftiert wurde, hat die Anwältin Kadriye Dogru versucht, ihn im Gefängnis zu besuchen. Ihr wurde ein Kontakt zuerst verweigert, weil sie keine Vollmacht habe. Dann wurde ihr gesagt, dass sie eine Erlaubnis beim Staatsanwalt einholen müsse, und als sie diese vorlegte, wurde ihr mitgeteilt, dass Halil Savda eine Disziplinarstrafe von 2 Tagen Einzelhaft erhalten habe und keinen Besuch empfangen dürfe. Allerdings wurde ihr nicht mitgeteilt, aus welchem Grund diese Strafe verhängt wurde.

Netzwerk Bia vom 14.12.2006

Freispruch für Evrensel

Am 13. Dezember tagte die 2. Kammer des Amtsgerichts in Sisli (Istanbul) in drei Verfahren zu Artikeln über die Vorfälle in Semdinli gegen die Tageszeitung Evrensel. Die Angeklagten, der Besitzer Ahmet Sami Belek und der Chefredakteur Sahin Bayar, waren nicht erschienen. Der Staatsanwalt Mücahit Eren sagte in seinem Plädoyer, dass die Artikel vom 18., 20. und 25. November 2005 nicht als Erniedrigung der Republik anzusehen seien, sondern den Zweck von Information verfolgten, ohne die persönliche Meinung der Verfasser zu beinhalten. Das Gericht folgte seinem Antrag und entschied auf Freispruch.

Agentur ANF vom 14.12.20006

Dorfschützer müssen 2 Dörfer verlassen

In der heutigen Sitzung des Menschenrechtsausschusses im Parlament erklärte der Innenminister Abdülkadir Aksu, dass ein neues Projekt genannt "KÖYDES" auf der Tagesordnung sei. Dafür müssten Dorfschützer, die sich in 2 Dörfern des Kreises Midyat (Mardin) niedergelassen hätten, die Dörfer verlassen. Aksu erklärte, dass mit Mitteln der EU 7 Lager für Migranten eröffnet würden. Aksu sagte ferner, dass zwischen 1998 und 2006 insgesamt 6.939 Personen festgenommen, die in illegale Ein- und Ausreise von Migranten verstrickt waren. Zwischen 1995 und 2006 seien 622.611 Migranten in die Türkei gekommen. Von ihnen seien zwischen 1998 und 2006 insgesamt 331.542 ausgewiesen worden, weil sie in der Türkei straffällig wurden.

 

Deutschsprachige Berichte oder Auszüge aus ihnen

Wenn Sie gekürzte Berichte vollständig lesen möchten, können Sie die Suchmaschinen von “paperball” oder “yahoo” mit entsprechenden Schlüsselbegriffen benutzen oder auf der Homepage von ISKU nachschauen (www.nadir.org/nadir/initiativ/isku/).

ISKU, Quelle: DIHA, 13.12.2006

26 weitere „Herr Öcalan“-Prozesse

Gegen 26 DTP-Mitglieder und Vertreter zivilgesellschaftlicher Organisationen, darunter die beiden DTP-Vorsitzenden Ahmet Türk und Aysel Tugluk sowie der Bürgermeister von Diyarbakir Osman Baydemir und die stellvertretende IHD-Vorsitzende Reyhan Yalcindag, ist vor einem Gericht in Diyarbakir ein Prozess wegen der Verwendung des Begriffs „Herr Öcalan“ eingeleitet worden. Den Angeklagten drohen bis zu zwei Jahre Haftstrafe.

Der Prozess geht zurück auf eine Sitzung in Diyarbakir am 18. Januar 2006, auf der laut Anklageschrift Ahmet Türk erklärt hat: „In dieser Zeit, in der wir alle Anstrengungen auf eine demokratische Lösung und Frieden richten, verstärkt die intensivierte Isolation von Herrn Öcalan die gesellschaftliche Besorgnis.“ Weiterhin habe Türk eine „Beendigung dieses unrechtlichen Vorgehens“ sowie vom Staat „mutige Schritte für eine Lösung der kurdischen Frage“ gefordert.

Ein Termin für die erste Hauptverhandlung steht noch nicht fest.

ISKU, Quelle: ANF, 13.12.2006

Kurdischer Politiker aus niederländischer Haft entlassen

Der kurdische Politiker Nedim Seven ist am Morgen des 13.12. in den Niederlanden aus der Haft entlassen worden. Seven war im August an der belgisch-niederländischen Grenze aufgrund eines von der Türkei veranlassten internationalen Haftbefehls verhaftet worden. Vergangene Woche hatte ein niederländisches Gericht seine Auslieferung in die Türkei wegen drohender Folter abgelehnt.

ISKU, Quelle: ANF, 15.12.2006

EU-Prozessbeobachter für Baydemir

Um die gehäuften Prozesse gegen Osman Baydemir, den Oberbürgermeister von Diyarbakir, zu beobachten, hat sich eine fünfköpfige Abordnung aus Mitgliedern des Europaparlaments gebildet, der Joost Lagendijk als Vorsitzender der gemischten Türkei-Kommission im EP, sein Stellvertreter Panagiotis Beglitis, der Türkei-Berichterstatter Camiel Eurlings sowie Andrew Duff und Konstantinos Hatzidakis angehören. Unter anderem läuft ein Ermittlungsverfahren gegen Baydemir aufgrund eines im Europaparlament gehaltenen Redebeitrages.

Die Abordnung will Anfang des kommenden Jahres nach Diyarbakir reisen und mit Baydemir zusammen treffen.

Neue Zürcher Zeitung, 16.12.2006

Bedingte Zustimmung zu Ilisu-Staudamm

Bundesrat gewährt Exportrisikogarantie unter Auflagen

... Darüber, ob die Schweiz den Bau des umstrittenen Ilisu-Staudammes in der Südtürkei unterstützen soll, wird seit Jahren gestritten. Nun hat der Bundesrat den Schweizer Firmen Alstom, Colenco, Maggia und Stucky an seiner Sitzung vom Freitag bedingte Exportrisikogarantien in Höhe von 225 Millionen Franken für ihre Lieferungen und Ingenieurleistungen zugesagt. Die definitive Zusicherung will der Bundesrat aber erst erteilen, wenn verschiedene Auflagen in Bezug auf den Umweltschutz, die Umsiedlung, den Kulturgüterschutz und die Anrainerstaaten erfüllt sind, wie Bundesrätin Doris Leuthard, Vorsteherin des Volkswirtschaftsdepartementes, nach der Bundesratssitzung erläuterte. Und auch nach den endgültigen Zusagen müssten zahlreiche weitere Auflagen erfüllt werden.

Es seien insgesamt über 90 flankierende Massnahmen vereinbart worden, von denen 23 zufriedenstellend erfüllt sein müssen. Im Vergleich zu 1998, als sich der Bundesrat ein erstes Mal grundsätzlich für die Gewährung der Exportrisikogarantie aussprach, seien damit wesentlich strengere Auflagen verbunden. Als Beispiele für die Massnahmen, die zufriedenstellend erfüllt sein müssen, bevor Garantien endgültig erteilt werden, nannte Leuthard Vorkehrungen zur Wiederherstellung der Lebensgrundlagen der umzusiedelnden Bevölkerung oder Pläne und Konzepte für eine bessere Versorgung der Bevölkerung in den Bereichen Strom, Ausbildung und Infrastruktur. Verlangt wird auch ein Nachweis für das Vorliegen von gesetzlichen Grundlagen für den Erhalt von Kulturgütern.

Eine unabhängige Expertenkommission werde die Massnahmen begleiten und überwachen ...

Deutschland/ Asyl

DIAKONISCHES WERK OBERHESSEN

Zweckverband der evangelischen Kirchenkreise Kirchhain,    Marburg-Land    und    Marburg-Stadt

Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Hassenhausen

Baptisten-Gemeinde Hassenhausen

Im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland KdöR

Gemeinsame Presseerklärung (13.12.2006)

Uns wurde gestern seitens der örtlichen Polizei mitgeteilt, dass sich

Mehmet Emin Kirok * 1.3.1956

gestern, am 12.12.2006 im psychiatrischen Krankenhaus Wunstorf das Leben genommen hat.

Die jetzt 10 Personen umfassende Familie reiste bereits 1995 aus dem kurdischen Teil der Türkei in die Bundesrepublik Deutschland ein. Sämtliche Anträge auf Asyl wegen politischer Verfolgung wurden abgelehnt, Petitionsanträge und ein 5-monatiges Kirchenasyl in Hassenhausen zeigten keinen Erfolg.

Die Familie blieb weiterhin von Abschiebung bedroht.

Wir nehmen diese Nachricht vom Tod von Mehmet Emin Kirok mit großer Bestürzung und Trauer zur Kenntnis. Die Übermittlung dieser Nachricht an die im Landkreis noch lebenden minderjährigen Kinder war eine schwierige Aufgabe, bei der wir versuchten, den Kindern dies so schonend wie möglich nahe zu bringen.

Dennoch sind die Kinder aus verständlichen Gründen bis an die Grenze der Belastung gefordert und wurden in stationäre psychiatrische Behandlung aufgenommen.

Es ist ihnen zu wünschen, dass von Nachfragen der Medien vorerst abgesehen wird, um ihnen und der gesamten Familie eine Trauer um den Verlust des Ehemannes und Vaters zu ermöglichen.

Gespräche mit dem Hessischen Innenministerium und dem Petitionsausschuss des Hessischen Landtages wurden von uns bereits geführt. Das Hessische Innenministerium sagte zu, dass zur Zeit keinerlei Abschiebungsmaßnahme vorgesehen sei.

Der Petitionsausschuss wurde angerufen, erneut in die Beratung der Petition einzutreten und gebeten, der Familie nach diesem tragischen Verlust und der damit einhergehenden extremen Destabilisierung der Familie ein Bleiberecht einzuräumen.

Es bleibt abzuwarten, welche Entscheidungen getroffen werden.

Wir wünschen der Familie jetzt von Herzen, dass sie sich gegenseitig ein Trost sein mögen, um der Trauer um den verlorenen, geliebten Menschen ungestört Raum geben zu können.

Wir hoffen, dass die Entscheidungsträger in Landtag und Ministerium das Schicksal der Familie Kirok in angemessener Form würdigen.

  

         Thomas Nau                                Maik Dietrich-Gibhardt               Gisela Tausch

      Gemeindesprecher            Vorstandsvorsitzender des                    Flüchtlingsberaterin im

      der evangelisch             Diakonischen Werks Oberhessen      Diakonischen Werk Oberhessen

Freikirchlichen Gemeinde