Die Gewerkschaften werden als gesetzwidrig abgestempelt

(Evrensel 16.12.01)

Die staatliche Politik zeigt wieder mal ihre Haltung gegenüber den Gewerkschaften. Das Erlebnis des Beamten Kiyasettin Aslan (Mitglied der Büroarbeitergewerkschaft-BES) und der Gewerkschaftskonföderation für die Arbeiter des öffentlichen Dienstes (KESK) macht dieses deutlich.

 Trotz des Paragraphen 4688, welcher die gewerkschaftliche Organisationsfreiheit auf dem Papier gewährleistet, werden Gewerkschafter, Mitglieder und Funktionäre als Gesetzesbrecher von der Justiz verfolgt. Die EMEK Plattform, ein Zusammenschluss von 15 Arbeiterorganisationen, wird ebenfalls versucht als gesetzeswidrig hinzustellen. Es wird gefordert, das Kiyasettin Aslan vom Beamtendienst entlassen wird. Grund dafür ist, er hat das Programm der EMEK -Plattform und einen Aufruf zum einem Meeting, dass am 14.04.2001 in Kilis stattfand, verteilt. Dieser Aufruf sei ‘politisch und ideologisch’ – und somit ist verboten, es zu verbreiten.  Aslan ist Gründungsmitglied der BES und 18 Jahre im Beamtendienst als Pförtner des Finanzdirektors in Kilis beschäftigt.

Forderung zur Entziehung seines Beamtenstatus erfolgte zuerst mit einer völlig anderen , tragisch – komischen Beschuldigung:

Der Gouverneur veranlasst eine Untersuchung gegen Aslan. Nach einer Untersuchung des Vorsitzenden des Disziplinarausschusses (Hasan Kayahan) des Gouverneurs von Kilis, sendet dieser einen Bericht an den obersten Disziplinarausschuss des Finanzamtes. Der stellvertretende Vorsitzende des höchsten Disziplinarausschusses des Finanzamtes Arif Simsek sendete Aslan einen Brief, in dem er ihn kurz auf seine Rechte aufmerksam machte und innerhalb von 10 Tagen zu einer Stellungsnahme (Einspruch) aufforderte. Aslan, der am 09.04.01 und am 14.04. verhaftet wurde, soll nach Aussage des Berichtes einen Molotow-Cocktail in seinem Auto mitgeführt haben. Dieses sei ein Indiz dafür, dass er ein Provokateur sei.  Unglaublich aber wahr:  K. Aslan besitzt gar kein Auto. Diese Wahrheit wird dann bei der Anhörung des Verfahrens ans Tageslicht kommen.

KESK kennen sie nicht

Es geht nicht allein um Kiyasettin Aslan bei der Beschuldigung, sondern darum, zu demonstrieren, was den Arbeitern und Angestellten blüht, die sich wie Aslan gewerkschaftlich engagieren!  „Trotz des Rechtes, dass sich Angestellte gewerkschaftlich organisieren dürfen, versucht man das zu verhindern. Leitende Angestellte zeigen das KESK von ihnen negiert wird und keine Rolle für sie spielt“, sagt Aslan! „Außer mir, gibt es keinen in der Türkei,  dem wegen einer solchen Protestaktionen eine Verhandlung bevorsteht. Außerdem bekommen sonst Angestellte eine Strafe – und nicht fünf, wie ich. Vor und nach dem 14.04. kam ich in Untersuchungshaft, Dreieinhalt Monate wurde ich vom Dienst suspendiert, bekam eine Abmahnung und eine fünfjährige Aufstiegssperre. Doch damit nicht genug: Nun versuchen sie alles, um mich aus der Arbeit zu entlassen“. ¨