Die Hölle Sincan!
Hunderte von Gefangenen, die sich an Hungerstreik beteiligt hatten, sind nach den Razzien in Typ-F-Gefängnissen Sincan, Edirne und Kandira verlegt worden. Nach wochenlanger Ungewissheit konnten die Angehörigen die Gefangenen besuchen. Die Angehörigen schilderten der Tageszeitung Evrensel ihre ersten Eindrücke und Erlebnisse aus dem Sincangefängnis. Sie verglichen die Situation in Sincan mit den Konzentrationslagern in der Nazidiktatur. Einige der Inhaftierten erschienen nicht. Man geht davon aus, dass sie vermutlich nicht mehr am leben sind. Hier einige Notizen aus dem Gespräch mit den Evrenselredakteuren: „Die Gefangenen sind sehr beunruhigt. Man hat denen alles, wie Brille, Geld, Medikamente, Uhren oder Schmuck abgenommen. Einer der Gefangene erzählte uns, dass im Keller des Gefängnisses Tag und Nacht gefoltert wird. Für drei Personen in einer Zelle gibt es pro Tag nur ein Teller Essen. Die Stromversorgung wird drei Tage pro Woche und täglich ab 17 00 Uhr abgestellt.“
Das Gefängnis wäre 15 km von Sincan entfernt. Bis dahin wären die Angehörigen dreimal an Kontrollpunkten außerhalb des Gefängnisses durchsucht worden. Die letzte Strecke (1 km) hätten die Angehörigen zu Fuß gehen müssen. Bei den Durchsuchungen an den Kontrollpunkten hätten die Gendarmen alle Taschen in den Matsch ausgelehrt. Solche Gegenstände wie, Schnürsenkel, Handtücher, Sandalen oder Hygienematerial wären nicht erlaubt mitzunehmen, damit die Gefangenen diese Sachen gegen erhöhte Preisen in der Gefängniskantine kaufen müssen. In der letzten Etappe beim Eintritt in das Gefängnis seien die Besucher registriert worden. Alle persönlichen Angaben wurden im Computer eingespeichert und von jedem wurden Fingerabdrücke abgenommen. Nur die Abnahme von Fingerabdrücken haben ca. 3,5 Stunden gedauert. Die letzte Durchsuchung der Besucher haben in einem geschlossenen Raum per Abtasten stattgefunden. Manche der Angehörigen haben dies als sexueller Belästigung empfunden.
Radios oder Kassettenrecorder seien nicht erlaubt, da die Inhaftierten nur den Zentralsender hören müssen. In die Zellen seien Strom und Wasserzähler eingebaut. Die Kosten dafür müssen die Gefangenen selbst übernehmen.
Obwohl einige sich nicht am Hungerstreik beteiligten, wäre ihre Zustand erschreckend gewesen.: „Wir wollen nichts, außer die Folter soll aufhören. Fragt bitte nicht mehr!“ So gaben sie zur Antwort. Das Wachpersonal würde willkürlich das Gespräch beenden. Der Zustand der Gefangenen wird folgendermaßen beschrieben: „Alle waren beunruhigt und wirkten sehr ängstlich. Sie sind nicht normal. Sie schauen ständig hin und her. Es ist nicht zu erkennen, wie es ihnen in Wirklichkeit geht“ (Evrensel 23.12.00)