„Grippe kann den Türken nicht anhaben“.
Die
Öffentlichkeit in der Türkei aber auch im Ausland konnte den türkischen
Gesundheitsminister Osman Durmus (MHP) durch seine Ausführungen nach dem großen
Erdbeben in der Marmararegion im August 1999 näher kennen lernen. Während
viele Länder Rettungstruppen, Kleidung, Zelte und auch medizinische Hilfen in
die Türkei schickten, sagte der Gesundheitsminister: „Wir haben keine Bedarf
an Blutkonserven„ und lehnte Hilfsangebote Griechenlands oder Armeniens ab.“
Er sagte im Grunde: „Bleibt wo ihr seid oder wollt ihr etwa unser reines türkisches
Blut verderben“?. Tatsächlich fehlte es für die Betroffenen an allem.
Ihm folgte ein anderer echter Nationalist, der Agrarminister H.Y.Gökalp, ebenfalls von der Partei MHP. Er brüstete sich : „ Wir brauchen keine Kühe aus dem Ausland. Wir werden unsere echten türkischen Kühe selber züchten. In Anatolien gibt es genügend türkisches Erbmaterial“.
Während
die ganze Öffentlichkeit versuchte zu verstehen, was wohl damit gemeint sein könnte,
machte der Gesundheitsminister Durmus erneut auf sich aufmerksam. Während darüber
diskutiert wurde, wie die Menschen sich gegen die Grippewelle schützen könnten,
kam die ‘Erleuchtung’ vom Minister: „ Die Grippe kann uns Türken nichts
antun, eine Impfung ist nicht nötig. Wir Türken sind von Geburt aus
geimpft“. Dieses Mal stand er nicht allein. Manche andere einflussreiche
Politiker meinten ebenfalls: „Was ist schon Grippe für uns Türken? Warum
sollen wir umsonst unsere Devisen für Immunstoffe verscherbeln?“ Wer kann nun
noch behaupten, dass die Türkei nicht den Anschluss ans 21. Jahrhundert
geschafft hat?
(Evrensel 30.01.2000)