Mittlerweile ist es weitgehend bekannt, dass die Organisation Hizbullah als Gegengewicht zur PKK vom Staat organisiert und benutzt wurde. Hizbullah wurde jedoch nicht nur gegen die PKK bzw. des kurdische Volk eingesetzt, sondern sie wurde auch für Agententätigkeiten genutzt. Sie diente als ein Vehikel, um in die Spionageorganisationen der Länder in der Region einzudringen, Informationen sammeln und unter der kurdischen Bevölkerung sog. Abwiegler anzuwerben. Aus diesem Grund wurde die Hizbullah vom Staat in der Vergangenheit als ‘Selbstorganisation des Volkes’ bezeichnet. So wollte man einerseits der Führung der Organisation totale Sicherheit geben, andererseits sollte das Tor für die anderweitige Benutzung der Organisation geöffnet werden. Solche Werkzeuge wie der die Hizbullah, die gegen die „ echten Feind“ eingesetzt werden, werden überflüssig, wenn sich die Umstände ändern.
Vermutlich dachten die Führer der Hizbullah , sie könnten die Möglichkeiten des Staates ausschöpfen, um auch ihren spezifischen Zielen näher zu kommen. In der Praxis wurden die Morde der Hizbullah wissentlich vertuscht. Zufällig verhaftete Militante der Organisation Hizbullah wurden durch die Hintertür wieder freigelassen. Sie bekamen gefälschte Ausweise, sichere Unterkünfte, genügend Finanzmittel, Waffen und Transportmöglichkeiten. Aus der Hizbullah wurde eine Organisation, deren Brutalität und Ideologie die bisher bekannten faschistischen Organisationen übertraf. Nun werden die Hizbullah-Mitglieder, ihre Kontakte und die Gräber der Opfer der Organisation rasch und ohne größere Mühe aufgedeckt. Natürlich wird auch dieses Vorgehen eine Grenze haben. Spätestens an dem Punkt, an dem die Hintermänner, Finanzquellen und staatliche Unterstützung heraus zu kommen drohen, werden die Razzien gegen die Hizbullah aufhören.
Beispielsweise wurde der Hizbullah-Killer mit dem Namen ‘Sümbül’ ermordet, als er soweit war, weitere Auftraggeber an dem Mord der Unternehmergruppe ‘Malki’ preiszugeben. Nun wird es nicht mehr möglich sein, die tatsächlichen Hintermänner aufzudecken.
Möglicherweise werden auch die Morde an Ugur Mumcu (Journalist) oder Ahmet Taner Kislali (Journalist u. Wissenschaftler) auf die Organisation Hizbullah abgewälzt und damit ‘alles’ aufgeklärt. Das Beispiel Hizbullah sollte für alle Organisationen, die ihre Existenz an die verschiedene ausländische bzw. regionale Mächte verdanken eine Mahnung sein. (Evrensel 29.01.2000)