Der Istanbuler Polizeipräsident prahlt damit, im Jahr 1999 25.000 Menschen festgenommen zu haben. Über die Menschenrechtsverletzungen, welche bei vielen Festnahmen begangen wurden, verliert er natürlich kein Wort. Festzustellen ist, dass die Menschenrechtsverletzungen durch Polizeikräften kein Ende nehmen. Was beispielsweise die vierköpfige Familie Aktas in Polizeigewahrsam erlebt hat, macht das Ausmaß der Menschenrechtsverletzungen und die permanente Existenz der Folter in der Türkei deutlich. Da die Sicherheitskräfte für die Menschenrechtsverletzungen in der Regel nicht belangt werden, -das Gegenteil ist meist der Fall, sie werden dafür belohnt,- wird die Folterpraxis oder andere massiven Menschenrechtsverletzungen nahezu überall durchgeführt.
Der Vorfall ereignete sich wie
folgt: Etwa 30 Polizeibeamte stürmen die Wohnung der Familie Aktas in Istanbul.
Der 20-jährige Sohn versucht zu entkommen Er springt aus dem Fenster und wird
durch einen Schuss am Bein verletzt. Die Polizeibeamten schießen auf das andere
Bein als er am Boden liegt und sich sowieso nicht mehr fortbewegen kann. Der
Familienvater und zwei Söhnen werden festgenommen und in das berüchtigte
‘Gayrettepe’ (Polizeistation in Istanbul) gebracht. Dort werden alle drei
massiv gefoltert. Der 19-jährige erzählt, was bei dem Verhör passierte: „
Sie haben uns an den Füßen aufgehangen, an meinem Brustwarzen und an
Fingerspitzen quälten sie mich mit elektrischem Strom. Meinem Bruder haben sie
ständig auf die Schussverletzungen geschlagen. Da mein Bruder nicht wollte,
dass sie uns noch weiter quälen, akzeptierte er alle Anschuldigungen“.( Evrensel 29.01.2000)