Gefährlicher Schachzug (im Nahen und mittleren Osten sowie in Asien)

Bereits vor zwei Wochen hatte ich in Evrensel darüber geschrieben, dass die USA von den Ländern Zentralasiens und Kaukasus neue militärische Stützpunkte verlangt und beabsichtigt die Region um das Kaspische Meer in ein ‚Militär’meer zu verwandeln. Die Entwicklungen der letzten Wochen machten es deutlich, dass diese Pläne der USA in „ global- taktische Veränderungspläne“ eingebettet sind. Die Maßnahmen der regionalen Länder wie Russland und Iran dagegen machen ebenfalls deutlich, dass dieser Vorhaben der USA nicht unbeantwortet bleiben werden.

Aus der Sicht der Türkei betrachtet war das größte Ereignis sicherlich der Besuch von Marc Grossmann (Stellvertreter des Aussenministers der USA). Grossmann verlangte von der Türkei eine Genehmigung für die aktive Nutzung des Stützpunktes „Incirlik“ durch US- Truppen im Süden der Türkei. Wie der Generalstab und die türkische Regierung sich verhalten werden, ist derzeit noch unklar, doch sie werden sicherlich den „ großen Bruder“ nicht verärgern wollen.

Die Bedeutung des Militärstützpunktes „Incirlik“ wurde vor sechs Jahren vom US-Beauftragten Zalmay Halilzade folgendermaßen beschrieben: „Um die Sicherheit der kaspischen Region und die Region um Basra zu gewährleisten, müssen die Türkei und die USA eng zusammenarbeiten. Die türkischen Militärstützpunkte sind für beide Regionen sehr gut geeignet. Die wichtigsten Energiequellen der Welt sind höchstens 1000 Meilen vom  Militärstützpunkt Incirlik entfernt. Diese strategische Bedeutung der Türkei wird uns veranlassen, dass wir unsere militärische Präsenz in der Golfregion reduzieren müssen. Auch die Lage der Türkei bietet für Transport der Energievorräte aus dem Kaukasusregion günstige Möglichkeiten“. (Wall Street Journal 22.12.1997).

Doch die Forderungen der USA bleiben nicht nur auf die Türkei begrenzt. In Nordafrika wurden die Länder Morokko und Tunesien ebenfalls um Militärstützpunkte „gebeten“. Der spontane Besuch des US Aussenministers Collin Powel in fünf Ländern in Nordafrika wird in diesem Kontext verständlich. Auf dem Balkan sind die Satellitenstaaten sowieso damit einverstanden. Das bulgarische Parlament verabschiedete jüngst entsprechende Gesetze, obwohl die USA noch nicht ofiziell nachgefragt haben. Nur drei Abgeordnete stimmten dagegen. Der Abgeordnete Andrei Pentev, der dagegen stimmte erklärte: „ Zum ersten Mal in unserer Geschichte wird Stationierung ausländische Truppen genehmigt. Es ist eine große Schande für ein Land, das sich als unabhängig bezeichnet“.

Auch im Raum Asien- Pazifik wird die US Militärpräsenz reorganisiert. In diesem Zusammenhang werden tausende US- Soldaten von Japan und Südkorea in andere Regionen verlegt. Vor kurzem wurden Einheiten vor der Grenze von Nordkorea nach Süden verlegt. Dies wurde als Vorbereitung auf eine Angriff auf Nordkorea bewertet.

Im Zentralasien und im Kaukasus laufen die Dinge nicht so wie die USA wollen. Russland ist nicht bereit seine Truppen aus Georgien und Moldawien zurückzuziehen. In der Nähe des US Militärstützpunktes „Manas“ in Kirgisien befinden sich russische Einheiten. Auf Tadschikistan übt Russland großen Druck aus. Tadschikistan, Usbekistan und Georgien verlangen die Schließung der Stützpunkte, nachdem der Kampf gegen den Terror beendet wird. Usbekistan lehnt offen eine langfristige Stationierung der US Soldaten ab. Es wird kein Wunder sein, wenn die Regierung in Kirgisistan ähnliche eine Erklärung abgeben wird.

Der Iran, der bisher eine Politik  „militärfreies  Kaspisches Meer“ betrieben hatte, revidiert seine Haltung. Sie würde ebenfalls militärische Aktivitäten in dieser Region starten, falls andere Länder hier militärisch aktiv werden sollen, hieß es in einer Erklärung. Unterschiedlich „ sensible“ Regionen, vor allem die Ex Sowjetrepubliken, verstricken sich immer tiefer in den Konkurrenzkampf der imperialistischen Mächte. Die beteiligten Mächte werden früher oder später ihre Luftstützpunkte mit Landeinheiten unterstützen. Die Türkei befindet sich somit inmitten einer Kriesenregion, die für weitere Kriege anfällig ist.

(aus: Evrensel, 22.12.2003;von Taylan Bilgic)