Bewunderung für J. Haider                                                              Evrensel 9/10.04.05

 

 

Die Bewunderung der Tageszeitung Hürriyet (größte regierungstreue Zeitung in der Türkei) für den österreichischen Faschisten J. Haider nimmt kein Ende. Letztes Jahr hatte eine Delegation eines türkisch-nationalistischen Vereins in Kärnten J. Haider einen Besuch abgestattet. Bei dem Treffen erklärte J. Haider seine Unterstützung für die EU-Mitgliedschaft der Türkei. Dieses Ereignis wurde von der Hürriyet damals auf der Titelseite folgendermaßen wiedergegeben: „Er sprach wie ein Türke“.

 

Die Unterstützung der EU- Mitgliedschaft von J. Haider war für die Hürriyet wichtiger als alle anderen Themen. Die angebliche antirassistische Haltung Hürriyets wird an diesem Beispiel deutlich. Die Vorliebe der Zeitung Hürriyet für J. Haider bleibt damit unbegrenzt.

 

Bekanntlich ist die FPÖ infolge Cliquenkonflikte letzte Woche gespalten worden. Die FPÖ errang bei den Wahlen 1999 26,9% der Stimmen und sorgte sowohl in Österreich als auch im Ausland für politische Unbehagen. Nach knapp 3 Jahren bekam die FPÖ 2002 nur noch 10% der Stimmen. Dieser Absturz verschärfte Innerkonflikte der Partei. Der „radikale“ Flügel der FPÖ machte J. Haider für die Niederlage verantwortlich. Als Gegenmaßnahmen wurden öfters die Vorsitzenden der Partei ausgetauscht. Das half alles nicht. Die Widersprüche nahmen zu. J. Haider und seine „Clique“ gründeten vor kurzem die Partei BZÖ (Bündnis für die Zukunft Österreichs) und kehrten der FPÖ den Rücken. Der Grund der Spaltung ist sicherlich nicht der, dass Haider und seine Gefolgsleuten ihre rassistische Gesinnung aufgaben. Die Hürriyet sieht das anders. Für sie ist die BZÖ nicht rassistisch oder ausländerfeindlich.

So berichtet Hürriyet in seiner Titelseite am 08.04.05 „ Türkisches Beben in Österreich“ über J. Haider und Gründung der BZÖ. Nach Hürriyet ist die Spaltung der FPÖ auf die positive Haltung J. Haiders zu der EU Mitgliedschaft der Türkei zurückzuführen:  J. Haider und BZÖ als nicht rassistisch zu titulieren, heißt diese Partei öffentlich anzuerkennen und das rassistische Gedankengut der BZÖ/ Haiders gutzuheißen.

 

Was für ein Papa/Papst wird gewünscht?                                       Evrensel  9/10.04.05

 

Das Ende des Mittelalters ist u.a. auch dadurch gekennzeichnet, dass das über 1000 jährige Diktat der Kirche aufgebrochen werden konnte. Dieses Ereignis ist ein wichtiges Indiz, dass die Menschheit das Mittelalter überwunden hat. Für die menschliche Entwicklung in die Zukunft war es unabdingbar, dieses Hindernis zu überwinden. Der Widerspruch in der Bevölkerung: Laizismus einerseits und die Macht des Papstes sowie der Kirche andererseits ist seither aktuell geblieben. Dabei ging und geht es immer um die Frage: „Wer wird die Macht aus üben?“ oder „Wer ist der Sovereign?“. Die Reformation, die Renaissance, die Aufklärung, die Französische Revolution, die Oktoberrevolution und andere zahlreiche Revolutionen entwickelten sich  als Kampf gegen die Ausbeutung der Menschen durch eine selbst erklärte und ‚gottgewollte’ Minderheit und u.a. gegen die Macht der Kirche.

 

Doch die imperialistische Bourgeoisie möchte nach dem Tod von J. Paul II all diese fortschrittlichen Errungenschaften der Menschheit seit dem Mittelalter über „Bord“ ins Meer werfen. Die groß angelegte mediale Schaustellung vor und nach dem Tod des Papstes verdeutlicht, dass das kapitalistische System die ‚Werte’ des Mittelalters zu ihrer Rettung zurückholt. Besonders die Rolle des J. Paul II während des „kalten Krieges“, seine Bemühungen alle Religionen in eine Front gegen den Kommunismus und gesellschaftliche Zukunftsperspektiven zu vereinigen wird unendlich hervorgehoben.

 

Die Tatsache, dass 4 Millionen Christen und über 200 Staatsmänner nach Rom „strömten“ und der  über Wochen andauernde Medientrubel vermittelt den Eindruck, dass die christliche Religion die alleinige Nabelschnur der „Zivilisation“ sei. Eine  Gegenaufklärung verfolgt, insbesondere seit letzten Jahrzehnten, das Ziel, die Werte des Mittelalters erneut prägend werden zu lassen.

 

Sowohl die Mehrheit der Menschheit als auch die Organisatoren dieses Begräbnisses wissen sehr genau, das diese übertriebene Zeremonie nicht für den verstorbenen Papst ist. Es wird damit  versucht zu vermitteln, wie und welche Besonderheiten der nächste zu wählende Papst haben soll.

 

Ein wichtiger Unterschied zwischen dem Heute und dem Mittelalter ist auch:  Im Mittelalter wurde alles daran gesetzt die Religion und die Macht des Papstes zu festigen. Heute geht es darum mittels Religion und dem Papst die imperialistische Welthegemonie zu legitimieren. Für dieses Ziel werden alle Werte und Normen seit der Aufklärung/ Reformation begraben und die vor 500 Jahren für Tod erklärten Werte wieder belebt.

 

Was im Vatikan passiert ist nichts anderes, als diesem Ziel näher zu kommen!

 

(Dieser Kommentar ist ein Beispiel für die Diskussionen von laizistischen und linken Intellektuellen in der Türkei. Sie warnen vor der ‚westlichen’ Wertemodellen eines Fukuyamas:’Ende der Geschichte’ , Huntingtons:’Kampf der Kulturen’ oder Bush:’Kreuzzug gegen das BÖSE’. Eine solche ‚ Werte’diskussion wird in Deutschland z.B. von Pflüger/Stoiber etc. geführt

Die schwierige Übersetzung des komplexen Textes verdanken wir der Mühe von Ingliz-w.f.)