„Journalisten müssen sich organisieren !“

Am 10. Januar 1961 trat das Pressegesetz in Kraft, das die Rechte der Journalisten und von anderen Beschäftigten in diesem Bereich gegenüber den Arbeitgebern wahren sollte. Zum ersten mal in der Geschichte der Türkei bedeutete das eine juristisch und arbeitsrechtliche Verbesserung für die Beschäftigten im Pressebereich. Der 10. Januar wird seitdem als ‘Tag der Werktätigen in der Pressearbeit’ gefeiert. Anlässlich des 39 Jahrestages erklärte der Vorsitzende der Gewerkschaft der Journalisten in der Türkei (Türkiye Gazeteciler Sendikasi- TGS), Sonay: „Vor 39 Jahren in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, haben die Pressearbeitgeber gegen das Gesetz heftig protestiert. Sie beschlossen damals, keine Zeitungen herauszugeben. Die Werktätigen in diesem Bereich haben mit ihrer Gewerkschaft das Diktat der Arbeitgeber abgelehnt. Sie gaben die eigene Zeitung ‘Basin’ heraus und leisteten entschlossenen Widerstand gegen die Arbeitgeber“.

Die Arbeitgeber hätten seitdem permanent versucht, den Inhalt des Pressegesetzes auszuhöhlen. Am Ende des 20. Jahrhunderts zeigt sich folgendes Bild : „Die Journalisten und Presseleute arbeiten heute unter den Bedingungen wie im 18 Jahrhundert unter dem wilden (Früh)-Kapitalismus. Die Medienbarone investieren in Technik, Werbung Promotion u.ä. Doch wenn es um die Verbesserung der Arbeitsbedingungen geht, werden kaum Maßnahmen ergriffen“.

Die Probleme der Journalisten fasste Sonay in mehreren Punkten zusammen. Viele Journalisten würden als Praktikanten ohne Sozialversicherungspflicht und schwarz beschäftigt. Auch das Urheberrecht würde von den Medienbaronen missbraucht. Journalisten, Kameraleute, oder Kolumnisten, die ihre ganze Arbeitskraft für die Publikationen aufwenden, würden für das Urheberrecht vom Arbeitgeber ausbezahlt. So wird massiv Steuerhinterziehung betrieben. Eine verbreitete Methode hier sei, dass die Beschäftigten zwei Arbeitsverträge unterschreiben müssen. Einmal für gewöhnliche journalistische Leistungen und einmal für die Urheberrechte. Auf dieser Art und Weise umgeht man die Gesetze.

„Im Medienbereich sind die Arbeitgeber zu einem Kartell herangewachsen, das freie Publikationsmöglichkeiten einschränkt, Bestechungen und Bedrohungen anstatt des Rechts der Einzelnen praktiziert, die Verbreitung der nicht genehmen Publikationen verhindert und den Arbeitsplatzwechsel der MitarbeiterInnen völlig unterbindet. Den Journalisten wird keine Möglichkeit gegeben sich gewerkschaftlich zu organisieren. Es gibt keine Arbeitsplatzsicherheit. Die Arbeitgeber können jederzeit Personal entlassen. Diese Situation bedeutet in der Praxis, dass die Presse- und Meinungsrechte völlig eingeschränkt werden...“. Die Probleme werden mit der Zeit nicht geringer. Heute betreffen sie die Beschäftigten einer Mediengruppe und morgen die einer anderen. Die Journalisten sollten endlich auf sich vertrauen und die Kraft entwickeln, gegen solche Repressionen ‘Stopp’ zu sagen: „Wir als Gewerkschaft der Journalisten werden jede Bestrebung zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen unterstützen. Lasst uns die Kräfte bündeln, uns organisieren und unsere Rechte und Freiheiten in allen Bereichen erkämpfen. Kämpfen wir gemeinsam für eine saubere, demokratische Gesellschaft und für einen achtungsvollen Journalismus.„(Evrensel 11.01.2000)