Journalist Namik
Taranci: Einer der
vielen Opfer der „Täter unbekannten Morde„
Namik
Taranci war als Journalist Wochenzeitschrift „Gercek- Wahrheit„ in
Diyarbakir tätig. Als die Aktivitäten der Kontraorganisation Hizbullah im
Aufwind war, führte er im Oktober 1992 als alleeerster Interviews mit
Vertretern dieser Organisation durch. Bis dahin und später haben die
Verantwortlichen in der Türkei die Existenz dieser Hizbullah-Organisation stets
bestritten. Das Interview wurde am 24. Oktober 1992 in der Zeitschrift „Gercek“
veröffentlicht. Zum ersten Mal konnte sich die Öffentlichkeit über die Ziele,
Organisationsstruktur, Verbindungen zu den offiziellen Stellen oder über die
Kampfmethoden gegen die PKK, aus erster Hand informieren. Unmittelbar nach dem
Erscheinen des Interviews erhielt der Journalist Morddrohungen. Einen Monat später
am 20. November 1992 wurde er in Diyarbakir auf offener Straße ermordet. Es gab
Augenzeugen, die das Attentat beobachtet hatten. Sie änderten ihre Aussagen
jedoch, nachdem sie von der Polizei verhört worden waren.
Die
Besonderheit dieses Interviews war es, dass die Hizbullah die Morde an Musa
Anter (Schriftsteller, Journalist), Turan Dursun (Schriftsteller) und Bahriye Ücok
(Wissenschaftlerin) mit den Worten „Wir haben sie bestraft“ bestätigt hat.
Auch die Verbindungen zu den offiziellen Stellen wurden vorsichtig angedeutet
und bestätigt. Es seien viele „Moslembrüder“ in staatlichen Stellen tätig.
Außerdem würden viele Polizisten bei Durchsuchungen die Hizbullahanhänger
wieder laufen lassen.’
Zahlreiche
Indizien deuten darauf hin, dass auch Taranci von der Hizbullah umgebracht
worden ist. Alle Bemühungen seiner Freunde und Familie Einzelheiten aufzufinden
blieben bisher erfolglos. ( Evrensel
08.02.2000)