"Newroz" Tag der Freiheit und des Widerstandes

 Newroz der „Neue Tag“ wird jedes Jahr am 21. März, dem Frühlingsanfang begangen. Es ist das Neujahrestag der iranischen Völker und das Fest des Widerstandes der Kurden. Seit Hunderten von Jahren wird es in kurdischen Gebieten mit der Vorstellung von der Erneuerung des Menschen und der Natur verbunden, aber auch mit dem Kampf für Freiheit und Gerechtigkeit.

In der Türkei hat der Staat bis noch vor kurzem diejenigen, die Newroz im ursprünglichen Sinne feierten als "Separatisten" bezeichnet, die Feierlichkeiten verboten und diese mit Waffen angegriffen. Seit einigen Jahren wird von offizieller Seite behauptet, dass Newroz nicht ein Festtag der Kurden sei, sondern die der Türken. Aus dem ursprünglichen Namen "Newroz" wurde "Nevruz" kreiert. Seitdem werden offiziell Feierlichkeiten veranstaltet, an denen der Staatspräsident, Gouverneure der Ausnahmenzustandsgebiete, Kommandanten der Gendarmerieeinheiten, Spezialteams etc. teilnehmen. Das Innenministerium schickte an alle offiziellen Stellen vor allem in kurdischen Gebieten ein Schreiben, wonach "Nevruz" als tausendjähriger Festtag der Türken gefeiert werden sollte.

Die Feierlichkeiten am Newroztag auf zeremonielle Staatsakte zu reduzieren, zielt auf die Entfremdung der Bedeutung dieses Tages hin. Jedoch wollen kurdische Werktätige und verschiedene demokratische Parteien und Organisationen nicht zulassen, dass Newroz von den Herrschenden missbraucht wird. Deshalb bereiten diese Feierlichkeiten vor, die dem ursprünglichen Sinn des Newroz als Tag des Widerstandes entsprechen. Abgesehen von den offiziellen Feierlichkeiten durch den Staat, wodurch die Bedeutung dieses Tages verharmlost werden soll, begegnen Werktätige und Kurden den Tag in einer Situation, in der dem kurdischen Volk seit Jahren ein "ungerechter Krieg" aufgezwungen wird und Verwüstungen, Zerstörungen und Elend herrscht.

Die ultimative Politik "entweder als Dorfbeschützer tätig zu sein, oder die Region zu verlassen" trieb die Menschen -außer den Dorfbeschützern, Kriegsgewinnern oder Großgrundbesitzern- zu Hungerkatastrophen. Hunderttausende von Menschen, deren Dörfer und Felder zerstört worden sind, siedelten sich in den Städten der Region oder im westlichen Teil des Landes an. Sie sind zur Arbeitslosigkeit, zur Obdachlosigkeit oder zu billigen Arbeitskraftreserven verdammt. In solch einer Situation bereiten sich Tausende auf die Newrozfeier vor.

In einer Zeit, in der Tausende von Kurden durch den Krieg ihr Leben lassen müssen, kommt dem Newroz eine andere Bedeutung zu als eine bloße Feier. Spätestens nach dem Vorfall in Susurluk ist für viele deutlich geworden, dass dieser Krieg von Kontra-Guerillaorganisationen durch Drogenhandel finanziert wird. Das Land zeichnet sich durch zahlreiche "Täter-unbekannt-Morde", Tausende von Verschwundenen, Korruption, jeder Art von Schmuggel, Begünstigungen, Bestechungen, Provokationen und überfüllte Gefängnisse, etc aus.

 Dem Geiste von Newroz gerecht zu werden bedeutet, sich für die gerechten Forderungen des kurdischen Volkes einzusetzen und auf deren Verwirklichung hinzuarbeiten. Konkret heißt das: sofortige Beendigung des Krieges, Aufhebung des Ausnahmezustandes (OHAL) und des Dorfbeschützersystems, Auflösung von Spezialteams, Kontraorganisartionen und Bandenorganisationen und Rückführung der Zwangsumgesiedelten. Außerdem müssen die Schäden des Krieges vom Staat ersetzt werden und willkürliche Verhaftungen und Verschleppungen müssen unterbunden werden. Nur so kann man dem Geiste des Newroz  heute und in der Zukunft gerecht werden