SIND SIE JOURNALISTEN ? (Mehmet Özyazanlar, türkischer Schriftsteller)
Sie wollen, dass man sie als „Journalisten„ bezeichnet. Entsprechend ihrer tatsächlich geleisteten Arbeit ist aber Kapitalversorger die passende Bezeichnung. Gemeinsam ist Ihnen allen, in vielen Masken als Sklaven den Kapitalbesitzern sich dienlich zu erweisen. Es ist möglich, sie mal als enthusiastische Liberalisten, manchmal als unverwässerte Demokraten, manchmal als hitzige Nationalisten und manchmal die Wichtigkeit des religiösen Glaubens hervorhebend sowie als die besten Anhänger der Scharia zu sehen. Von Zeit zu Zeit bringen sie Artikel auf dem ‘Markt der Möglichkeiten’ heraus, wobei sie in ihren Artikeln sich gegenseitig provozieren. Jedoch nimmt es nicht viel Zeit in Anspruch, die ‘Segel frieren’ zu sehen. Die einzig wahrhafte Nachricht ist ohne Zweifel genau das, was sie über sich geschrieben haben. Die interne Streiterei verschleiert nicht, dass sie grundsätzlich mit den aufgetragenen Masken als Liberale, Demokraten, Nationalisten, Laizisten, an der ausbeuterischen Kapitalfront ihren Platz einnehmen.
Ihre Persönlichkeit ist durchdrungen von Eigenschaften, der zur Zeit mächtig scheinenden ausbeutenden Klasse. Diese Charaktereigenschaften sind Egoismus, auf seinen Vorteil bedacht, Nutznießerturm, Betrüger, viele Masken aufgesetztend, Hochnäsigkeit und Machtgier. Die von den Menschen entfremdete und ihrem Charakter entsprechenden Benehmen nach, versuchen sie, wie blinde Bettler, das räuberische System aufrechtzuerhalten. Diese haben keinerlei Probleme mit dem System, das Millionen von Menschen in den Hunger und Armut treibt und sie mit dem Kampf der erbärmlichen Lebensumstände alleine lässt. Wenn es darauf ankommt, machen sie manchmal ganz offen und manchmal hinterhältig Werbung für das herrschende System, das verantwortlich für die in der Gesellschaft herrschenden Mißstände und Unwohl ist. Sie werden genauso wie die Regierenden ein Teil des vom System produzierten Dramas der Menschen: Wobei die Menschen gezwungen werden, im Müll Nahrung zu suchen, vor den Krankenhäusern zu verelenden, in Schlangen um den Empfang der Rente zu zittern, mit Geduld und Hoffnung auf den Arzt zu warten, durch Arbeitslosigkeit zerstört, ausgebeutet und vegetierend und schließlich als an Armut sterbende Menschen zu enden.
Da sie an dem Reichtum des Systems beteiligt werden oder die vom übriggebliebenem Reichtum profitieren, versuchen sie durch ihre journalistische Tätigkeit ihr bestes dafür zu geben, die bestehende Ordnung zum Vorteil der Regierenden aufrechtzuerhalten und den Menschen glaubhaft zu machen, dass diese Ordnung (System) die einzig richtige ist. Alle ihre Artikel sind durchgehend bestimmt durch ihre Interessen der Profitorientierung. Das Recht der Menschen objektive und wahrheitsgemäße Informationen vermittelt zu bekommen, ist für ihr journalistische Tätigkeit, für die sie so prahlen, unbedeutend. Diese Journalisten haben zwischen über 1000 bis 10.000 Dollar Monatseinkommen. Die Autos mit Chauffeuren stehen vor ihren Villen. Da sie ein luxuriöses Leben führen und dieses nicht aufgeben wollen, nutzen sie ihre Journalistenetikett dazu, im Interesse der Unternehmer hinter Geschäftsleuten her zu rennen, als ob dies ein natürlicher Teil ihrer journalistischen Tätigkeit wäre. Ihre größten Ängste sind, ihr Reichtum und luxuriöses Leben zu verlieren. Um ihren Lebensstandard aufrechterhalten zu können, scheuen sie sich nicht, in verschiedenen Gestalten in die Öffentlichkeit zu treten.
Den Interessen ihrer Herren getreu, räumten sie dem Thema der Privatisierung in ihren Artikeln viel Platz ein. Sie tun kund, dass die Privatisierung die einzige Lösung für alle Probleme ist. Sie predigen den arbeitenden und armen Leuten, dass, wenn sie mehr Geduld aufbringen, sie von ihren Problemen befreit werden und ein besseres Leben auf sie wartet. Um auch die Aufmerksamkeit der Menschen von ihrem eigenen Luxusleben abzulenken, machen sie von Zeit zu Zeit die teuren Lebensumstände zum Thema ihrer Artikel. So charakterlos wie sie sind, sind sie prinziplos und ohne Ehrgefühl. Die regierenden Parteien, die sie, bevor sie an die Macht kamen, kritisierten, hofieren sie sobald es um die eigenen Interessen geht. Infolge ihrer ganz anderen Lebensweise, können sie sich nicht unter die Basis mischen und aus der Perspektive der Masse der Bevölkerung schreiben. Ein Beispiel dafür ist, dass sie sich nicht trauen ohne Polizei- und Militärschutz in die rückständigen Gebiete zu fahren. Bevor sie dahin fahren, werden sie von ihren Herren instruiert, die Interessen der Herrschenden bei der Berichterstattung bezüglich der in den Provinzen herrschender Probleme zu berücksichtigen.
Ihre Kinder lassen die sogenannten Journalisten im Ausland studieren. Wenn ihre Kinder krank werden, lassen sie im Ausland oder in sehr teuren privaten Krankenhäusern behandeln. Sie kennen nicht mal den Weg zu den öffentlichen Krankenhäusern. Aber wenn es um Gesundheitsprobleme geht, scheuen sie sich nicht, die Privatisierung als „die„ Lösung kundzutun.
Sie geben sich besonders Mühe, die Einladungen der Kapitalbesitzer, Unternehmer und der Politiker nicht zu verpassen. Sie lieben es bei Hochzeits- und Geburtstagsfeiern die Möglichkeit zu haben zu schleimen. Ihre größte Angst ist, in die Situation zu kommen, dass sie sich mit der Realität des Landes konfrontiert sehen oder direkt mit dem praktischen Leben, konfrontiert werden. Wenn sie beispielsweise durch Zufall mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren müssen, so ähneln sie Fischen, die aus ihrem Aquarium rausgenommen worden sind.
Sie sind Journalisten von Zeitungen mit großen Auflagen, die im Schloss leben. Da sie öfters zu Zeitungen überwechseln, ist es nicht so wichtig für welche Zeitung sie schreiben. Sie sind
mit ihren außerordentlichen Kenntnissen und Wissen über alle Bereiche, das Beste, das Wahrste und das Schönste ihren Lesern vermittelnde Journalistengünstlinge
( Evrensel
25.10 00)