Tekel-Arbeiter sind zurück in Ankara
Nick Brauns
Arbeiter des staatlichen türkischen Tabakmonopols Tekel
wollen
zum ersten Jahrestag ihrer Proteste am Samstag in Ankara
demonstrieren. Am Freitag starteten Busse aus Istanbul, dem
westtürkischen Izmir und dem kurdischen Diyarbakir. Die
Arbeiter wollen sich im Abdi-Ipekci-Park in Ankara versammeln, wo
vor einem Jahr ihr Streikcamp von der Polizei mit Wasserwerfern und
Tränengasgranaten überfallen wurde. Außerdem wollen
sie die Laden- und Restaurantbesitzer in der Innenstadt besuchen,
die sie während ihres 80tägigen Protestcamps vor der
Zentrale des Gewerkschaftsdachverbandes Türk-Is im letzten
Winter mit Lebensmitteln, Strom und Kleindung unterstützt
hatten.
Über 10000 Tekel-Arbeiter hatten im Dezember letzten Jahres
ihre Kündigung erhalten, nachdem die neoliberal ausgerichtete
islamische AKP-Regierung nach dem Verkauf der
Produktionsstätten an ausländische Firmen die Tekel-Lager
im ganzen Land schließen ließen. Zwar konnten die
Tekel-Arbeiter in ihrem von der Bevölkerung und linken
Parteien im ganzen Land unterstützten Protest einen Teilerfolg
verbuchen, als ihnen vor Gericht eine mehrmonatige Lohnfortzahlung
zugestanden wurde. Doch ihre letztendliche Überführung in
den rechtlosen Niedriglohnstatus C/4 konnten sie nicht verhindern.
Viele Tekel-Arbeiter kritisieren, daß sie von ihrer eigenen
Gewerkschaftsführung im Stich gelassen wurden. Insbesondere
der Türk-Is-Vorsitzende Mustafa Kumlu, ein Anhänger der
Regierungspartei, hatte immer wieder eine Ausweitung des Streiks
auf andere Branchen verhindert.
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