TÜMTIS
noch stärker!
(Evrensel 04,05.12.2001)
Die Gewerkschaft TÜMTIS
(Transportarbeitergewerkschaft) hat ihren 25. ordentlichen Gewerkschaftskongress
Mitte November 2001 in Istanbul abgehalten. An dem Kongress nahmen neben 255
Delegierten auch zahlreiche Gewerkschafter und Vertreter von verschiedenen
Parteien aus dem In und Ausland teil. Die Gewerkschaft TÜMTIS hat sich
besonders in den letzten Jahren als besonders kämpferische
Arbeiterorganisationen herausgestellt. In allen Kämpfen wie den 1. Mai
Demonstrationen, Kämpfen um demokratische Rechte, Durchsetzung des
gewerkschaftlichen Organisationsrechts oder in anderen Arbeitskämpfen hat sich
die TÜMTIS als kämpferisch und unversöhnlich hervorgetan. Deshalb genießt
diese Gewerkschaft einerseits die Symphatien der kämpferischen Arbeiter und
Gewerkschafter, andererseits aber den Hass der Arbeitgeber, der reaktionären Kräfte
und des Staates.
Der Druck und vielfältige
Provokationen gegen die TÜMTIS ist daher seit langem allgegenwärtig. Mit
absurden Behauptungen versucht der Staat, die Führung der TÜMTIS Mundtod zu
machen. Es gibt nahezu keinen aktiven Gewerkschafter der TÜMTIS, der nicht
verhaftet, misshandelt oder gefoltert worden ist. So wurden der TÜMTIS
Vorsitzende Sabri Topcu und weitere fünf Funktionäre der Gewerkschaft wurden
kurz vor dem Gewerkschaftskongress festgenommen und eine Woche misshandelt.
Die TÜMTIS hat die Arbeiter der
Firma Aktif unterstützt, sich gewerkschaftlich zu organisieren. Der Arbeitgeber
entließ 200 Arbeiter, weil sie Mitglied der TÜMTIS geworden sind.
Trotzdem setzten die Arbeiter ihren
Streik seit Oktober ununterbrochen fort. Doch weder der Druck des Staates noch
vielfältiger Provokationen der Arbeitgeber konnten die TÜMTIS davon abbringen,
eine kämpferischen Haltung einzunehmen.
Während die Gewerkschaften im
allgemeinen sich in einer Krise befinden und Mitgliederschwund beklagen, ist die
TÜMTIS nahezu die einzige Gewerkschaft, die neue Mitglieder dazugewinnt. Der
Vorsitzender Sabri Topcu stellte den Unterschied der TÜMTIS bestimmten
Gewerkschaften gegenüber bei seiner Eröffnungsrede deutlich folgendermaßen
vor:
„Ich grüße die Gewerkschafter, Vertreter der politischen Parteien und
die Intellektuellen, die heute hier anwesend sind. Sie sind Freunde der Arbeit.
Die Gewerkschaften und Arbeiter müssen folgenden Unterschied heute
deutlich machen: Gewerkschaftsfunktionäre, die die Interessen der Arbeiter
nicht vertreten, müssen abgelehnt werden. Für die Krise der
Gewerkschaftsbewegung heutzutage ist einerseits die Vorgehensweise
verantwortlich, welche die Massen der Arbeiter außerhalb der gewerkschaftlichen
Tätigkeit fixiert und die Tätigkeiten der Gewerkschaften nur auf das Niveau
herabsetzt, in dem die Unternehmensvertreter und Gewerkschaftsfunktionäre
fernab verhandeln. Dieser Gewerkschaftsbürokratismus basiert auf der
Sichtweise: Hier aktive Gewerkschaftsfunktionäre und dort passive Arbeiter.
Dieser Bürokraten verwandeln die Arbeiterorganisationen in eine
Handelsunternehmen. Man kann entweder nur Händler oder ein kämpferischer
Gewerkschafter sein. Beides miteinander ist nicht zu vereinbaren.
Eine weitere
Methode der Gewerkschaftsbürokratie ist es,
die Arbeiter und Gewerkschaften von einer klassenbewussten Politik
fernzuhalten. Mal werden sie als ‘parteiübergreifende’
mal als ‘unabhängige’
Gewerkschaften dargestellt. Die Arbeiter werden, je nach Stärke und Situation
zu Anhängseln von verschiedenen bürgerlichen Parteien degradiert. Sie sollen
weder ihre eigene Parteien gründen noch ihre eigenen Interessen formulieren.
Diese ‘Farblosigkeit’ wurde von
den Bürokraten als besonderes Merkmal der gewerkschaftlichen Bewegung
dargestellt. Kosequent Interessen zu vertreten und sich selbstständig politisch
zu betätigen, wurde als ‘nichtakzeptabel’ für Gewerkschaften herabgesetzt.
Wo
und wann immer auch von der Gewerkschaftsbewegung die Rede ist, tauchen in der Türkei
die Bezeichnungen wie ‘unabhängige überparteiliche Gewerkschaften’ auf. In
der Tat werden die Arbeiter von Gewerkschaftsbürokraten dazu missbraucht, Manövriermasse
für bürgerliche Partein zu sein.
Eine klassenbewusste Gewerkschaftsbewegung lehnt jede heuchlerische
Behauptungen wie unabhängig oder unparteiisch kategorisch ab. Sie hat das Ziel
die Einheit der Arbeiterklasse zu verwirklichen. Die Arbeiterklasse muss über
den täglichen und gewerkschaftlichen Forderungen hinaus die Erlangung der Macht
zum Ziel haben. Ohne dies kann sie weder ihre Lebenssituation verbessern, noch
die erkämpften Rechte langfristig wahren. Daher müssen die Arbeiter eine
Kampfform, die nur auf ihre eigenen ökonomischen Forderungen zugeschnitten ist
ablehnen. Sie müssen die
Interessen aller Werktätigen berücksichtigen und ihren Kampf für eine Welt
ohne Unterdrückung und Ausbeutung, für Demokratie und gegen Krieg ausweiten.
Die Gewerkschaften als eine Massenorganisation der Werktätigen müssen eine
verbindende Rolle einnehmen, und die Forderungen aller unterdrückten Klassen
und Schichten mit berücksichtigen.“
Viele Delegierte meldeten sich zu
Wort, berichteten von ihren Erfahrungen und diskutierten für eine noch kämpferische
TÜMTIS.
Hasan Dogan: Unter
dem Deckmantel der Globalisierung beutet das Kapital noch mehr die Arbeiter aus.
Die Gewerkschaftsbürokraten verfolgen einen politischen Taktik, die den
Machthabern genehm ist. Unser Kampf ist nicht denen gewidmet die die Stärkeren
und Mächtigen sind. Wir müssen die Arbeiter gewinnen die ihre Rechte haben und
recht haben.
Hasan Kizilkaya: Bis vor einem Jahr kannte ich die TÜMTIS nicht. Ich
habe sie im Kampf kennen gelernt. In den Streiks der Transportarbeiter und
Arbeiter im öffentlichen Dienst in Antep (südanatolische Stadt) war TÜMTIS
dabei. TÜMTIS bedeutet Klassenkampf !
Mustafa Gündüz nahm das erste mal als Delegierter an einem
Gewerkschaftskongress teil. Er kam ebenfalls aus Antep und war sehr aufgeregt.
Doch was er in knappen Worten ausdrückte
erntete minutenlangen Beifall der
TeilnehmerInnen: „TÜMTIS ist wie eine Sonne; sie wird eines Tagesim ganzen
Land aufgehen.“
Der Delegierte Hamdi
Korkmaz aus Konya berichtete, dass sie unter sehr schlechten Umständen
gearbeitet hatten, bevor sie sich in der TÜMTIS organisierten.
„Unsere Arbeitszeit hing allein vom Willen der Arbeitgeber ab. Als der
Arbeitgeber von Aktivitäten derTÜMTIS im Betrieb erfahren hat, hat er unsern
Monatslohn von 120 Millionen TL auf 160 Millionen TL erhöht. Er drohte die
Firma zu schließen, falls wir Gewerkschaftsmitglieder werden. Aber wir sind
Mitglied der TÜMTIS geworden und haben nun Tarifverhandlungen durchgeführt.“
Wie überall im Land wurden auch in
Konya Arbeiter festgenommen,
misshandelt und schikaniert, weil sie sich gewerkschaftlich organisieren
wollten. Doch trotz dieses massiven Drucks, haben auch sie es auch in Konya
geschafft, sich in der Gewerkschaft TÜMTIS
zu organisieren. Unter den Kongressteilnehmern befanden sich auch die
Arbeiter der Firma ‘Aktif- Dagitim’, die sich seit Monaten im Streik
befinden. Sie fordern das Recht auf gewerkschaftliche Organisierung.
Die Gewerkschaft TÜMTIS ist
Mitglied in der größten Gewerkschaftskonföderation Türk-Is. Es ist u.a. der
TÜMTIS zu verdanken, dass Türk-Is sich an der
‘Plattform der Arbeit’ beteiligt. ¨