Wasser gegen Waffen

Israels Premier Ariel Scharon und der türkische Energieminister Zeki Cakan haben zu Beginn der Woche in Jerusalem einen Vertrag mit weit reichenden Folgen geschlossen. Das Abkommen steigert die militärische Potenz der Türkei. 
–und bewahrt Israel vor dem Verdursten. In den kommenden 20 Jahren liefert die Türkei jährlich 50 Millionen Kubikmeter Frischwasser aus dem anatolischen Fluss Manavgat an Israel. Im Gegenzug wird Israel den Nato-Staat Türkei mit Panzern und Luftwaffentechnologie beliefern. Für einen Kubikmeter Wasser wird dabei etwa ein Dollar berechnet.

Die „Wasser – gegen – Waffen“ Vereinbarung festigt die ohnehin ausgezeichneten wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zwischen dem muslimischen und dem jüdischen Staat. Die Türkei ist spätestens seit 1996 einer der Hauptverbündeten Israels in der Region. Damals unterzeichneten die beiden Länder ein Abkommen zur militärischen Zusammenarbeit das mit dem größten Auftrag an Israels Rüstungsindustrie, der Modernisierung von 54 türkischen F-4- Kampfflugzeugen, gestartet wurde.

Mit dem Handel will die Türkei ihre Position als Hauptlieferant von Wasser in einer chronisch trockenen Region ausbauen. Hunderte Millionen Dollar sollen künftig in die Staatskasse fließen, wenn Verträge über Exporte nach Malta, Kreta und in den griechischem Teil Zyperns unterschrieben sind. Der türkische Teil Zyperns wird bereits mit Wasser aus Anatolien versorgt. Besonders wichtig ist die Resource für Israel, das schon immer als größter Wasser-Konsument der Region galt. Zudem ist nach mehreren trockenen Wintern der Grundwasser-Pegel bedrohlich gesunken. Die Lieferungen aus der Türkei werden nur drei Prozent des jährlichen Bedarfs decken. Dennoch ist das Land nicht bereit, den wasserintensiven Anbau von Tomaten, Melonen und Apfelsinen zu drosseln.

Evrensel:10.01.04