Zensur und Überwachung  
"Pressefreiheit" in der Türkei konkret

Mit diesem Thema war ein Redakteur der Wochenzeitung FIRAT'TA YASAM eine Woche lang zu Gast bei der IG Medien in Wiesbaden. Mehmet Boncuk berichtete auch bei einer Veranstaltung in Kassel über die Probleme und die Arbeit der regionalen prokurdischen und progewerkschaftlichen Zeitung, die in Antep erscheint.

FIRAT'TA YASAM erscheint seit über einem Jahr und während dieser Zeit wurde das Erscheinen von staatlicher Seite erheblich behindert. Die Wochenzeitung berichtet über die Probleme des kurdischen Volkes und über die Lage der Werktätigen. Aufgrund dieser Themen kommt es immer wieder zu Beschlagnahmungen, Festnahmen von Redakteuren und erheblichen Behinderungen der Verteiler durch die Polizei. Aber auch die Leser der Wochenzeitung werden unter Druck gesetzt und vielen Werktätigen wurde das Lesen am Arbeitsplatz von ihren Arbeitgebern verboten. Mehmet Boncuk erklärte, dass die MitarbeiterInnen sich durch die Repressalien und die wirtschaftlichen Probleme der Zeitung nicht einschüchtern lassen und weiter über die Probleme der Baumwoll- und IndustriearbeiterInnen und über die politische Lage in den kurdischen Regionen berichten werden. Er sieht die Menschen in den kurdischen Regionen abgeschnitten vom Weltgeschehen und eine Aufgabe der Wochenzeitung darin, dass sie Aufklärungsarbeit leistet.

Mehmet Boncuk wollte durch seinen Besuch in Deutschland Interesse wecken für die Probleme und Kontakte knüpfen, da eine internationale Unterstützung bei schwierigen, politischen Situationen in seiner Heimat wichtig ist. Bei der Kasseler Veranstaltung am 21.2.2000 im DGB- Haus war der EMEK Solidaritätsverein Mitveranstalter. Über die IG Medien haben wir an die türkischen Journalisten und ihre Wochenzeitung eine Unterstützung von 95,- DM weiter geben können. (Ulrike Weinmeister)